Eine besondere Yogaübung im Umgang mit Ängsten und Schwierigkeiten 

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Foto by Soren Wolf @ flickr

Bei der «Wunderübung» handelt es sich um «kapala bhati», eine klassische Reinigungsübung, bzw. eine Vorbereitung für pranayama, die Atemübungen im Yoga. In diesem Blog möchte ich nachvollziehbar aufzeigen, warum kapala bhati eine so ungeahnte und weitreichende Bedeutung hat. Um den Zusammenhang zur Psyche und dem Nervensystem zu knüpfen, muss ich ein wenig ausholen.

Eine mögliche Übersetzung für pranayama ist «Atemkontrolle». Da wir Menschen heute im Westen meist schon recht kontrolliert (bis unterdrückend) unterwegs sind, ist mir diese Bezeichnung nicht besonders sympathisch, allein das Wort kann ein bedrückendes Gefühl auslösen. Ich bevorzuge ein «natürliches oder organisches Münden in verlängerte Atempausen». Kapala bhati führt uns dorthin. Wie, erkläre ich weiter unten. Zunächst schauen wir an, warum das überhaupt interessant ist.

Wenn wir in eine Stresssituation geraten, die unser Gehirn als überwältigend, also lebensbedrohlich einschätzt, stehen unserem Nervensystem Überlebensstrategien zur Verfügung. Nämlich Kampf, Flucht oder Erstarrung (engl. fight-flight-freeze). In der Steinzeit oder in der Wildnis war / ist das z.B. die Konfrontation mit einem gefährlichen Raubtier, nehmen wir den Tiger. Nun, in unserer (über-)zivilisierten Gesellschaft besteht nur eine verschwindend kleine Chance, in eine solche Situation zu geraten. Eher bekommen wir Stress mit dem Chef oder dem Nachbarn oder werden von jemand / etwas anderem emotional getriggert, was in uns grosse Wut, Ängste oder gar eine existentielle Not auslösen kann. Manchmal ist das auch nicht so bewusst, wir fühlen uns dann einfach sehr unwohl. Denn der Zustand wird von einigen unangenehmen Körpersymptomen begleitet, wie Herzrasen, grosse Körperspannung, Hitzeschübe etc., ausgelöst vom sympathischen Zweig des vegetativen Nervensystems. 

Die Reaktionsmechanismen im Stammhirn haben sich quasi nicht verändert. Je nach Veranlagung - welche Kräfte stehen uns zur Verfügung? Sind wir schnell? Stark? Können argumentieren? - werden wir in die Abwehr gehen, aus der Situation flüchten wollen oder erstarren (Tierreich: sich totstellen). Letzteres kann auch eine Art Kurzschlussreaktion sein, wenn die Entscheidung zwischen Kampf und Flucht misslingt bzw. beide Strategien scheitern. Jedenfalls geschehen diese Reflexe blitzschnell, unbewusst, das müssen sie ja, sollen sie doch unser Überleben sichern. Zum Reflektieren bleibt keine Zeit. Es ist wie eine Waschmaschine, deren Knöpfe gedrückt werden – schon läuft das Programm. Im Yoga wird dieser Selbsterhaltungstrieb als "abhinivesha" bezeichnet, das 5. klesha (leidvolle Spannung). Es heisst, dass selbst die Yogis diesen nicht "überwinden" können. Darum geht es auch nicht! Genausowenig, wie es darum geht, das Ego zu "überwinden". Es geht darum, diese Phänomene zu durchschauen, zu respektieren und einen Umgang damit zu finden. 

Nun zum Kernthema: Ein weiterer Überlebensreflex, der im Stammhirn reguliert wird, ist der Atemreflex. Auch dieser läuft einfach, und zwar unaufhörlich. Wenn wir nun bewusst und gewollt üben, den Atemreflex auf organische Art und Weise auszudehnen (=pranayama), machen wir eine neue Bewusstseinserfahrung. Man kann es beschreiben wie einen weiten Raum, der sich auftut. Auch das Zeitgefühl dehnt sich. Ich habe schon mit einigen Menschen gesprochen, die free diving praktizieren, sie haben mir die Erfahrung der Bewusstseinsveränderung in den Atempausen bestätigt. Durch die positive neue Erfahrung ("ich sterbe nicht!") lernt das Nervensystem, dass auch die anderen Überlebensreflexe (fight-flight-freeze) ausgedehnt werden können, ohne dass etwas Schlimmes passiert. Im weiten Raum entsteht die Möglichkeit, bisher verdrängte, unverdaute (weil als übermächtig erfahrene) Erlebnisse und Gefühle auszuhalten, zu verarbeiten und zu integrieren, anstatt blitzartig auf die alt-bewährte (aber eben oft auch unangebrachte und auf jeden Fall unangenehme) Weise zu reagieren. So wie für das Spiel mit der Atmung, müssen wir jedoch zunächst einmal auch dazu bereit sein, uns mit der Schwierigkeit bewusst und gewollt zu konfrontieren. Das ist wichtig zu verstehen, weil es nicht funktioniert, wenn wir bereits im fight-flight-freeze Modus drin, also mit dem Problem identifiziert sind.

Wie aber gelingt es nun, in die Atempausen zu finden, ohne dass unser Stammhirn Alarm schlägt, wir in die alte Not geraten und die Übung – oder gleich den ganzen Yoga – als für uns ungeeignet aburteilen? Durch die Vorbereitung mit der wunderbaren Übung kapala bhati. Dabei wird die Ausatmung für eine Weile beabsichtigt forciert und beschleunigt, wodurch weit mehr CO2 abgeatmet wird als gewohnt. Dies wird über den Blutweg dem Gehirn (Atemzentrum) gemeldet. Woraufhin das Gehirn entscheidet, dass weniger geatmet werden muss, und dies wiederum als Meldung an die Atemmuskulatur schickt: Die Atemfrequenz sinkt messbar bzw. ergeben sich die organischen Atempausen. Auch das Herz reagiert darauf - mit einem Zustand einer höheren «Herzfrequenzvariabilität», das ist die Fähigkeit, mit Belastungssituationen besser umgehen zu können. Der Zustand, den wir in der Alltags- oder esoterischen Sprache als ein «weites, offenes Herz» bezeichnen. Wir fühlen uns nicht mehr dazu gezwungen, «zuzumachen», um uns zu schützen, sondern erleben neu die Möglichkeit, "hinzuschauen". 

Die chemische Veränderung im Blut (CO2/O2) wird phänomenisch nicht nur als Raum, sondern manchmal als Erfahrung von Licht erlebt, daher kommt auch der Name kapala bhati – «Schädelleuchten», oder als Schwindel – «die beseeligende Ohnmacht des Geistes», der sich jedoch bald wieder von selbst reguliert. Hier passt der wichtige Hinweis: Kapala bhati soll nur unter der Anleitung einer erfahrenen Lehrperson erlernt / geübt werden! Fehlt diese, fehlt unter Umständen auch das nötige Feingefühl und es besteht die Gefahr einer Retraumatisierung.

Der oben beschriebene weite Raum, den wir durch das Praktizieren von pranayama zur Verfügung haben, kann man auch als erhöhte Kapazität verstehen, schwierige Situationen und Gefühle erst einmal zu erlauben, ohne gleich etwas damit zu machen (verdrängen, ausagieren). In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang von «containment» (Container = ein Behälter): Was /wieviel kann ich aushalten? Im Licht der Erkenntnis fühlen? Dies wiederum hängt auch davon ab, wie stark und durchlässig meine feinstofflichen Energieleitbahnen (nadis) sind, um einen weiteren Link zum Yoga zu machen. Dieser bietet uns hierfür neben kapala bhati eine Vielzahl weiterer Übungen an. Denn was fliesst in den nadis? Prana. Gefühle sind nichts anderes als Ausdruck dieser Lebenskraft / -energie. Sie können sich dann frei im System bewegen, wenn die nadis geklärt sind und ich somit viel «Fühlraum» zur Verfügung habe, also ein grosses containment.

Was passiert, wenn ich meine Wut nicht aushalten kann? Ich muss sie deckeln oder abreagieren. Kann sie frei fliessen, fühlt sie sich lebendig, kraftvoll, motivierend an. Was passiert, wenn ich meine Traurigkeit nicht aushalten kann? Ich fühle mich isoliert und blockiert. Kann sie frei fliessen, fühlt sie sich warm und schön an, verbindend mit allen anderen fühlenden Wesen, weil jeder manchmal Schmerz erfährt. Was passiert, wenn ich meine Lust und Lebensfreude nicht aushalten kann (zum Beispiel wegen eines Schuldgefühls)? Ich unterdrücke sie und bekomme Hautausschläge oder andere Symptome. Oder ich muss sie ständig befriedigen und (miss-)brauche dafür Substanzen oder Menschen (z.B. emotional). Kann sie frei fliessen, habe ich einen guten Grundpegel an Lebenslust im Alltag, werde zum Leuchtturm und zur Inspiration für andere.

Durch den neuen Umgang insbesondere mit sogenannten «schwierigen» Emotionen leuchtet letztlich Erkenntnis für ihre Ursache auf, welche immer in uns selbst liegt. Schuldgefühle oder -zuweisungen (in Form von Projektionen) im Aussen hören auf. Die Suche ist zu Ende. Wir ruhen in uns selbst. Wahre Veränderung wird möglich.

© Therese im November 2019

Wer Lust bekommen hat, das Thema unter Anleitung und in geschütztem Rahmen an sich selbst zu erfahren,
kann sich für eine Einzelbegleitung oder kurzfristig für den Workshop«Licht ins Dunkel» am 23./24. November in Basel anmelden.

Neben Eigenerfahrung und Erfahrung mit Klienten / Yogaschülern stützen sich meine Aussagen auf folgende Quellen:
Trökes, Anna und Knothe, Bettina: «Neuro-Yoga. Wie die alte Weisheitspraxis auf unser Gehirn wirkt», O.W.Barth 2014
Mitzinger, Dietmar: «Der Pranayama-Effekt in der Trauma-Arbeit. Wie Pranayama die Affekttoleranz steigert und damit die Traumatherapie unterstützt», Junfermann Verlag 2018


 

Ode an die Lust

"In jeder asketischen Moral betet der Mensch einen Teil von sich als Gott an und hat dazu nötig, den übrigen Teil zu diabolisieren." Friedrich Nietzsche

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Gustav Klimt: Wasserschlangen II (Freundinnen), 1904

Lust als ungetrübte Freude, als grundlegendes Lebensgefühl in Form von Genuss, auch sexuellem Begehren, scheint das erste Gefühl zu sein, das wir zu unterbinden lernen, weil es so schwer auszuhalten ist, wird es nicht befriedigt. Diese Überzeugung liegt in der Wiege der Psychoanalyse Sigmund Freuds, und wurde teilweise von der modernen Psychologie revidiert. Mir macht es Sinn. Jedenfalls verstehe ich die Kausalkette, die dadurch in Gang gesetzt werden kann, jetzt besser.

Wenn Lust nicht fliessen darf, kommt zuerst ihre Kehrseite Wut und Ablehnung zum Vorschein. Die kann sich in Aggression steigern, welche sich mitunter destruktiv entlädt. Wut hat einen schlechten Ruf, und aggressives Verhalten ist inakzeptabel. Somit muss beides unterdrückt werden. Das kann in einer Depression enden, und/oder es bleibt ein diffuses Angstgefühl, das nur noch schwer herleitbar ist, sich aber äusserst un-lust-ig anfühlt. In diesem Stadium haben wir uns sehr stark vom natürlichen Fluss der Lebenslust abgeschnitten.

Beziehen wir es auf die Bereiche Essen und Sexualität.

Wie schon an anderen Stellen erwähnt, gibt es heutzutage kaum irgendwo so viele Ideologien und Konditionierungen wie im Bereich der Ernährung. Oder kennt jemand noch das reine Lustgefühl, das mit sorgenfreiem Essen einhergeht? Kaum. Hingegen ist eine allgemeine Verwirrung bis hin zur Abstumpfung und Entfremdung zu beobachten. Unser natürliches Wissen darüber, wer wir sind und was wir brauchen, scheint uns abhanden gekommen zu sein. Stets auf der Hut, uns und unsere Familien gesundheitlich und moralisch einwandfrei zu ernähren, ist Essen für viele zur reinen Kopfsache geworden, und der Umgang mit Genuss beherrscht von Restriktionen. So richtig stimmig kann es mit dieser abgetrennten Sicht nicht werden, weil die hiesigen Trends und Überzeugungen ständig wechseln und/oder je nach Ursprung unvereinbar divergieren, was uns immer tiefer desorientiert und zerstreut. Und es gibt Streit mit den Kindern!

In der Sexualität ist es ähnlich. Wir hätten einfach gerne unsere Triebhaftigkeit "überwunden" und identifizieren uns als erhabene Spezies (sich über die Natur erheben - wie geht das!?). Diese illusionierte Überlegenheit zementiert die kollektiven Glaubensstrukturen über Beziehung und eheliche Bindung in unseren Köpfen, dass es einem regelrecht die Luft abschneiden kann... doch das Leben lässt sich nicht ersticken - wie das Gras zwischen Asphaltspalten schon seinen Weg findet... so ertappen wir uns dann und wann doch bei einem zensierten Gedanken oder gar einer affektiven Handlung! Und fühlen uns dabei ... im Reinen? Tja...

Buddha fand zunächst nicht in die Einung - nicht im Überfluss seines Elternhauses, nicht in der Selbstkasteiung seiner Askese. Weder im blinden Konsum noch in rigiden Denk- und Verhaltensmustern. Sondern in einer Kindheitserinnerung an sein angeborenes, natürliches Verbundensein mit sich selbst, der Umgebung, mit allem. Er musste beide Pole kennen, um zu erkennen, dass es nicht das und nicht das (Skrt. ni-ni), sondern das Dritte, das Vereinende ist, und lehrt den mittleren Weg.

In der Frage nach dem "rechten" Mass können wir schauen: Auf welchem Pol sitze ich (fest)? In welche Richtung habe ich mich fixiert? Oder kann ich mir beides von Zeit zu Zeit erlauben: Der Lust ungehemmt zu frönen, wie auch zu verzichten, wenn's mir danach ist? Kann ich mich noch ungezwungen vom einen zum anderen bewegen und mittendrin, gegenwärtig, ganz ich selbst sein? In dieser Mitte kann die Lust gelebt werden, ohne dass sie verdrängt oder zwingend befriedigt werden muss. Dieser Punkt ist wichtig, denn es geht nicht darum, jeder Attraktion handelnd nachzulechzen, sondern einfach darum, bei sich zu sein und zu erkennen, welche Lust-Blocker in Form persönlicher oder (meist) kollektiver, gesellschaftlicher Konditionierungen in einem wirken (in der Ernährung ist das bspw. derzeit ein starker "Gesundheits"-Hype).

Auch Befriedigung kann ein Nicht-Aushalten der Anwesenheit von Lust bedeuten. Die Tantriker wissen darum und üben den Flow, das heisst im Fluss von tiefer Lust oder Freude oder Liebe in Hingabe zu SEIN. Im Flow, bei grosser innerer Gelöstheit gepaart mit grosser Wachheit, passiert eine Entbindung von den Auslösern (vs. die Bindung - Skrt.samyoga); Zwänge brechen auf: Ich tue nichts, weil ich MUSS, ich lasse nichts, weil ich MUSS. Letztendlich scheint es irrelevant, was genau ich tu und lass. "Wenn's niemandem schadet!!", wird man denken. Ich ahne, dass es demjenigen, der - durchaus auch in An-Erkennung von Begrenzung und Verwirrung - in Übereinstimmung mit sich selbst und allem lebt, unmöglich wird, wahrhaftig Schaden anzurichten; dass er indes zur Inspirationsquelle wird für jene, die sich im Kreislauf des Leidens (Skrt. samsara) selbst bekämpfen.

Danke, Anouk, für die Erinnerung.

Skrt.= Sanskritbegriff

© Therese im August 2018 ... to be continued. Ich freue mich über alle Kommentare und weitere Anregungen, auch hilfreiche Kritik an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder auf facebook.


 
Die Rolle der Psyche in der Ernährung

Wenn Nahrung unbewusst als Ersatz für unbefriedigte Bedürfnisse genossen bzw. missbraucht wird, nützen keine Empfehlungen und schon gar keine Regeln oder Kontrolle des Essverhaltens. Viele Menschen kennen den Teufelskreis, der daraus entsteht: Eigentlich spürt man im Prinzip, was einem gut tut und was nicht. Dennoch fühlt man sich gewissermassen als Sklave seiner Gewohnheiten; jede Diät und jeder Veränderungsversuch scheint erzwungen und endet in einem gefühlten Krieg gegen sich selbst. Möglicherweise gelingt es zunächst, gefasste Vorsätze umzusetzen, nur zu oft schlägt das Pendel jedoch früher oder später in noch extremerer Weise in die andere Richtung als zuvor - Schuldgefühle, Frust und Resignation folgen.

Wann wir auf welche Nahrungsmittel  zurückgreifen, unterliegt oft gar nicht unserer willentlichen Kontrolle. Sonst wäre es ja einfach, auf Ungesundes zu verzichten. Tatsächlich werden wir aber, sobald wir eine Abhängigkeit (von z.B. Zucker, Fett, Salz, Nikotin, Koffein, Junk Food etc.) entwickelt haben, bei der Nahrungsauswahl und -aufnahme von komplexen biochemischen Prozessen gesteuert.

Das kann man sich in etwa so vorstellen: Sobald wir in unserem Alltag von einem Stressor getriggert werden (in diesem Zusammenhang sind das meistens psycho-mentale bzw. emotionale Stressoren) wird die Stress-Achse (sog. HPA-Achse) aktiviert und setzt unser Gehirn eine Kaskade an Botenstoffen frei. Um insbesondere mit dem daraus resultierenden Überschuss an Cortisol umzugehen, erzeugt der Körper ein starkes Verlangen nach Wirkstoffen, die uns Genuss verschaffen, sodass der Dopaminspiegel ansteigt - kurzfristig geht es uns dann besser. Diese Bewältigungsstrategie wird als "erfolgreich" abgespeichert. Allerdings fängt das Gehirn als Reaktion auf die Überschwemmung mit Dopamin (die nämlich auch eine Art Stress bedeutet) damit an, Rezeptoren zu kappen und uns weniger empfänglich für Lust zu machen. Daher brauchen wir von den Genussmitteln immer mehr und öfter. So wird aus einer ungünstigen Gewohnheit eine krankmachende Abhängigkeit, der wir ausgeliefert sind, da diese Vorgänge sehr rasch und unbewusst geschehen; wir haben keinen Handlungsspielraum und fühlen uns dadurch wie fremdgesteuert. Die beschriebenen Abläufe folgen demselben Prinzip wie alle anderen Süchte.

Hier setzen Yoga und Ayurveda an und bieten uns eine Vielzahl an Massnahmen und Methoden an, dieses innere Spiel zu durchschauen und den Teufelskreis zu durchbrechen.

Einerseits gibt es spezielle ayurveda-medizinische Kräuterpräparate, die hirntonisch wirken. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sie eine starke sattvische, also bewusstseinsfördernde Wirkung auf den Geist ausüben. Sie steigern unsere Resilienz und Affekttoleranz in Bezug auf Stressoren, sodass wir uns zunehmend Handlungsspielraum schaffen können, ohne weiter blind unseren Automatismen folgen zu müssen. In der traditionellen Gesundheitslehre zählt man aber auch eine ganz bestimmte Gruppe hiesiger Lebensmittel aufgrund ihrer besonderen Wirkung auf die mentale Immunität zum "Superfood" für die Psyche.

Eine ähnliche Wirkung auf das Gehirn haben yogische Atemübungen - Pranayama. Dabei zünden hauptsächlich die Neuronen im Präfrontalkortex. Die Aktivität und Zellversorgung mit Prana - Lebenskraft - steigen also genau in dem Hirnareal, das für Achtsamkeit und Präsenz zuständig ist, wie neuere wissenschaftliche Studien belegen.

Wir können zudem mit Vata-regulierenden Massnahmen unser bei Stress und Heisshunger ausser Rand und Band geratenes Luft-/Äther Element besänftigen. Vata (Wind) entfacht nämlich den Heisshunger besonders nachmittags / frühabends (Vata-Zeit!) nach einem intensiven Tag bei der Arbeit oder daheim mit Kindern und Haushalt. Weil meistens die Verdauungskraft aber nicht optimal funktioniert, können Nahrungsmittel von minderer Qualität und Genusssubstanzen noch schlechter verarbeitet werden, und somit mehr Probleme im Organismus verursachen.

Natürlich helfen auch psychologische Gespräche, um die Ursache der Stressoren und daraus entstehenden Abhängigkeiten zu analysieren und ins Bewusstsein zu holen.

Eine weitere, hervorragende meditative Übung ist die Methode des Dämonenfütterns. Sie stammt aus dem Buddhismus und hat eine lange Tradition. Auch die moderne Psychologie arbeitet - in abgewandelter Form - mit diesem Tool:

Eigentliche, aber verdrängte, in der Tiefe nagende Bedürfnisse werden im Rahmen dieser Übung auf überraschend einfache Weise offen gelegt. Sie werden als Dämon personifiziert, mit dem nun ein innerer Dialog stattfindet. Die weitere Übung besteht darin, durch wiederholende Zuwendung zu lernen, die dämonenhaften Bedürfnisse ohne äussere Mittel zu befriedigen, und sich auf diese Weise mit dem eigenen Schatten auszusöhnen. Oftmals handelt es sich z.B. um die unbefriedigte Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Zugehörigkeit etc., die durch die Entwicklung von Selbstmitgefühl und -fürsorge gestillt werden kann. Dann vollzieht sich die Transformation des inneren Dämons in einen Verbündeten. Das bedeutet, dass abgespaltene Persönlichkeitsanteile aus dem Unbewussten geholt und wieder integriert, und die Selbstheilungskräfte aktiviert worden sind. So kann eine wahrhaftige Veränderung greifen. Wichtig ist es zu verstehen, dass die unbewussten Anteile nur aufgrund der bisherigen Ablehnung zu dämonenhafter, angsteinflössender Grösse und Macht gewachsen sind. Sie wollen einfach angeschaut (und gefüttert) werden!

Neben "Essdämonen" kann auch mit allen anderen Kräften gearbeitet werden, die man in sich als schwierig, triebhaft, destruktiv oder spannungsgeladen erfährt: Körperliche Symptome wie chronische oder wiederkehrende Spannungen, Schmerzen, Krankheiten, Süchte, Emotionen, die als unangenehm bis übermächtig erlebt und daher unterdrückt werden, Ängste, Phobien, Geldsorgen, Perfektionismus, Arbeitswut, Minderwertigkeitsgefühle, Einsamkeit, (andere) Traumata ...

In der Geschichte Siddharta Gautamas, des historischen Buddhas, wird berichtet, dass er, besonders in der Nacht seiner Erleuchtung unter dem Bodhi Baum, ebenfalls sehr intensiv von inneren Dämonen und Abgöttern (auch "Mara" genannt) heimgesucht worden ist, ihnen jedoch letztlich offen begegnen konnte ohne wegzuschauen, zu kämpfen oder mitzugehen, und dadurch erleuchtet wurde.

Ich arbeite mit allen genannten Methoden im Rahmen der Einzelbegleitung, die ich anbiete. Auch in den Herbst-Seminaren "LICHT INS DUNKEL" und "Ayurveda & Yoga bei stressbedingten Beschwerden" werden wir die Themen genauer beleuchten und viel praktisch üben.

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Buddha, resisting the demons of Mara

I STOPPED FIGHTING MY DEMONS - WE ARE ON THE SAME SIDE NOW


© Therese Matiegka im Frühling 2018 - Echo erwünscht an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!            


 

Der Tod und was danach (nicht) kommt

Kennen Sie die kindlich-jugendliche oder auch religiös konnotierte Idee vom ewigen Leben? Vom Tod wollen viele lieber nichts wissen und sich jung, fit und schön und eigentlich unsterblich fühlen. Was dem nicht entspricht, wird gerne weggeschoben.

Wer - in aller Regel unfreiwillig - mit dem Tod konfrontiert wird, sei es durch Krankheit, Krise, Verlust oder Trauma, ist gezwungen hinzuschauen. Es kann auch einfach das Älterwerden sein, welches einem das Thema mehr und mehr ins Bewusstsein ruft. Plötzlich zu realisieren, nicht mehr zu den "Jungen" zu gehören, zu merken, wie viel sich verändert hat, wie vergänglich doch alles ist. Nichts ist, wie es "früher einmal war". Stetig von neuem loslassen, loslassen, loslassen. Die neue Situation akzeptieren, die auch nicht für immer so bleiben wird. Mit einem solchen Gefühl der äusseren und inneren Auflösung geht die Frage einher: Gibt es etwas (im Inneren), was Bestand hat? Das einzig Beständige ist die Veränderung, sagen die Buddhisten. Dazu komme ich gleich noch.

Bei den Hindus gilt der Seelenkern als unsterblich (ātman, er ist in allen Individuen derselbe. Atmen hat interessanterweise dieselbe Wortwurzel). Mitsamt einigen Merkmalen, dem lịnga (Seelenmerkmal, individuell geprägt), das der Seele sozusagen anhaftet (entsprechend wie man lebt und was man tut) wird man wiedergeboren. Innerhalb dieses Seelenmerkmals sitzen karmische Prägungen wie Stempelabdrücke. Die Karma-Theorie ist sowohl komplex als auch simpel - jede Ursache hat eine Wirkung. Das hat nichts mit Schuld und Strafe oder Belohnung zu tun, wie es z.B. häufig in der katholischen Kirche missinterpretiert wurde und wird. Das Wort "Sünde" im Wortsinn meint schlicht "das Ziel verfehlen".

Im Buddhismus gibt es so etwas wie die reinkarnierende Seele gar nicht (anātman). Dort wird das Ursache-Wirkungs Prinzip so verstanden wie eine Billardkugel, welche durch die ihr mit dem Anstoss übertragenen Energie (Ursache) eine andere Kugel anstösst und auf ganz bestimmte Weise und in ganz bestimmte Richtung ins Rollen bringt (Wirkung). Dort geht man davon aus, dass die Existenz eines Menschen beim Tod tatsächlich in sich zusammenfällt, aber eine entsprechende Energie hinterlässt, die ihrerseits wieder neues Leben verursacht.

In der Psychotraumatologie nach Dr. Franz Ruppert, München, stellen (beispielsweise nach dem traumatisierenden Verlust eines nahestehenden Menschen) Fragen über den Sinn des Todes und Erklärungsmodelle darüber, was danach ist, häufig Verdrängungsmechanismen dar. Um den puren Verlustschmerz und die eigene Ohnmacht nicht unmittelbar aushalten zu müssen, flüchten sich Hinterbliebene in Vorstellungen über schicksalhafte Vorherbestimmung ("es musste wohl so sein") und Hoffnungen ("bestimmt geht es ihm jetzt gut und sehen wir uns im Jenseits wieder"). Durch diese Überlebensstrategie wird die schmerzhafte Erfahrung in der Psyche dissoziiert, um das eigene Weiterleben und Funktionieren im Alltag zu sichern. (Vgl. dazu die Bücher und Vorträge "Symbiose und Autonomie", "Seelische Spaltung und innere Heilung").

Für uns Menschen und insbesondere für unsere Egos scheint die nüchterne Vorstellung schwierig, dass nach dem Tod von uns nichts mehr übrig bleibt und nichts mehr ist. Diese Variante kann aber im Prinzip nicht ausgeschlossen werden. Oder?

Antworten gibt es keine, so bleibt es eine der grossen Fragen im Leben, die als Fragen stehen bleiben und gelebt werden (müssen). Letztlich bleiben uns Modelle und Theorien, die vielleicht helfen können, etwas, das wir nicht verstehen, doch noch etwas mehr einzuordnen. Der Verstand kann nur in Grenzen denken..

Abschluss - Fragen, -Denkanstösse:

In Indien sterben Menschen am Strassenrand, niemand unternimmt etwas, das ist nichts Ungewöhnliches. Ist das Ignoranz oder Akzeptanz?

Vielleicht könnten wir mit dem Tabuthema brechen, wenn wir den Tod als ein Übergangsritual mehr ... feierten ... , wie es in anderen Kulturen üblich ist: Tanzen, Lachen, Singen, Essen, was passt zu den Betroffenen? Ist nicht der landläufige "Leichenschmaus" bereits eine Variante davon? Wen brüskiert es, und warum?

Und was denken Sie?

© Therese im Juni 2017

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"tranquility" © Yves Matiegka 2017

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Reinigen und Entschlacken - Anregung für einen "inneren Service"

Ein Inder äusserte einmal mir gegenüber seine Ansicht, wir legten hier im Westen meist grössten Wert auf Glanz und Perfektion im Äusseren, während die innere Reinigung und Erneuerung dabei mitunter vergessen ginge. In gewisser Weise musste ich ihm recht geben.

Jährlich werden unsere "überschüssigen" Steuergelder in perfekt erneuerte Strassenbeläge investiert, damit wir uns wie auf einem Teppich im Verkehr fortbewegen können. Wer wendet sich mit selber Priorität und Aufmerksamkeit seinen inneren Leitbahnen (ayurv.: srotas) zu - befreit sie regelmässig von Schlacken und Ablagerungen für einen reibungslosen Transport der Atmung, der Körperflüssigkeiten, der Ausscheidung? Wir bringen unsere Autos und Fahrräder in den Service, doch inwieweit hegen und pflegen wir unseren Körper als das Gefährt, das uns durch dieses Leben trägt, als den Tempel, in dem die Seele wohnt?

Jedes herabgefallene Blatt wird im Herbst von lästig-lauten Laubbläsern eliminiert, jeder Strauch zurückgeschnitten, "verjüngt", die Pflanzen im Frühjahr gedüngt, genährt, das Feld gejätet, gepflügt, gelockert, die Erde auf neue Samen vorbereitet, die gute Früchte hervorbringen sollen... Kümmern wir uns mit ähnlicher Intensität um unsere innere Welt? Für ihre Gesundheit und Entwicklung bedarf auch die Psyche einer Läuterung und Pflege. Auch sie will von "Unkraut" befreit werden, im Sinne der Transformation unverdauter Erfahrungen, sodass neue, heilsame Impulse gleich Samen in fruchtbaren Boden gelegt werden können und daraus positive und entwicklungsfördernde Gewohnheiten gedeihen.

Die Reinheit und Verjüngung, die ein Organismus bei einer Entgiftungskur erfahren, sind von fundamentaler Wirksamkeit und finden - gemäss ayurvedischem Einheits-Prinzip - auf allen Ebenen statt: Körper, Sinnen, Geist und Selbst. Vielerlei Beschwerden stellen sich dabei auf "wundersame" Weise ein, auch und insbesondere solche, für die der Arzt (noch) keine organische Ursache feststellen konnte. Dabei geht der Ayurveda einerseits davon aus, dass es verschiedene Stadien (kriya-kalas) der noch nicht oder bereits schon manifestierten Krankheit gibt (Pathogenese), und es natürlich besser ist, so früh wie möglich den Kurs zu ändern. Andererseits werden Krankheit sowie Heilung immer psychosomatisch bzw. somatopsychisch betrachtet, eben weil Ayurveda Körper und Geist nicht trennt. Somit setzen sich unverdaute Emotionen auch im Körpergewebe fest. Wenn wir diese "Schlacken" im Körper durch eine Kur herauslösen, kommen auch die festgehaltenen Emotionen wieder ans Tageslicht. Wir erhalten eine neue Chance, sie zu verarbeiten und zu unserer ursprünglichen Lebendigkeit zurückzufinden.

Beim Fasten wirkt in erster Linie das simple Phänomen, dass der Körper die ihm innewohnenden Selbstheilungskräfte von allein aktiviert, wenn wir vorübergehend auf die Zufuhr von Nahrung oder anderen Substanzen verzichten. Dieser der konventionellen Therapie (Zufuhr von Wirkstoffen) gegenläufige Ansatz scheint nachvollziehbar (und nicht mehr so wundersam), wenn man sich überlegt - oder besser: am eigenen Leib erfährt -, wie der Organismus sich endlich einmal von der permanenten Überreizung erholen kann, wenn wir uns sozusagen herunterfahren und unseren Reset-Button aktivieren. Häufig kann erst dann eine aufbauende und nährende Therapie überhaupt greifen; jedenfalls finden diverse Wirkstoffe in einem gereinigten Organismus leichter dorthin und wirken dort, wo sie sollen.

Fortsetzung ... unter dem Wasserfall!

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Wasserfall Oberer Düden, Antalya, Türkei
Quelle Bild: https://www.holidaycheck.ch/m/grosser-wasserfall/0dc3908b-dea6-3125-b24a-fca784b30f41

Es gab in den USA eindrucksvolle Studien über Krebspatienten, die im Vorfeld einer Chemotherapie 24 - 48 h gefastet hatten. Die anschliessende Therapie wirkte nachhaltiger und wurde mit geringeren Nebenwirkungen (Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, kognitive Einschränkungen) als üblich verkraftet. Dabei unterscheiden sich die Erkenntnisse der Studie von der herkömmlichen Auffassung darin, dass der Nahrungsverzicht den Organismus letztlich stärkt, und nicht schwächt. Die gesunden Zellen reagieren auf den Nahrungsentzug mit einem Schutzinstinkt, der ihnen genetisch eingeprägt ist (phasenweise - unfreiwilliges - Fasten und Nahrungsverzicht stellen historisch gesehen die Normalität dar - im Gegensatz zum Überfluss an Nahrung in der heutigen westlichen Gesellschaft). Den kranken Krebszellen hingegen steht dieser natürliche Schutzmechanismus nicht zur Verfügung. So wird die erhöhte Wirkung der Chemotherapeutika bei Fastenden erklärt.

Weitere wissenschaftliche Studien über die Verbesserung bei einer Fastenkur liegen bei folgenden Zivilisationskrankheiten, chronischen und psychischen Leiden (die ebenfalls medikamentös oft mit erheblichen Nebenwirkungen behandelt werden) vor: Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, Asthma, Allergien, Ödeme, Ekzeme, Lebererkrankungen, Rheuma, Arthritis, Arthrose, Alzheimer, Depression, Phobien, Zwangsstörungen, Schizophrenie.

Mehr dazu ist in folgender sehr interessanten Dokumentation zu erfahren:
https://www.youtube.com/watch?v=epMRBGKtllY

Bei all diesen Einsichten mag es verwundern, dass Fasten im Gesundheitswesen keine zentrale Rolle einnimmt. Doch damit lässt sich eben kein Geld machen. So stellt die Pharmaindustrie kaum Forschungsgelder für Studien rund ums Fasten zur Verfügung, kritische Stimmen warnen vielmehr vor den Gefahren.

Doch mit typgerechtem, begleiteten und je nach Situation durchaus auch gemässigtem Fasten (mit Suppen, Brühen, Monodiät..) im Sinne des Ayurveda muss man sich solchen Gefahren nicht aussetzen, und erfährt dennoch neue Dynamik, geschärfte Sinne und unbestechliche geistige Klarheit. Man wird sich eingefahrenen Mustern und ungesunden Gewohnheiten bewusster und kann die Gelegenheit für eine tiefgreifende Veränderung nützen.

© Therese im Februar 2017

Wer sich in das Thema vertiefen oder diesen Frühling gerne eine eigene Erfahrung machen möchte, darf sich gerne an meinem Angebot (Tagesseminare, begleitete Fastentage über Auffahrt) orientieren: SPEZIALANLÄSSE


 

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Ayurveda & Yoga bei Stress - Ursachen und Selbsthilfe 

Wenn wir uns gestresst fühlen, ist in erster Linie das Vata-Dosha aus der Balance geraten. Die Doshas (Vata, Pitta und Kapha) sind die Bioenergien, die sich aus den Elementen zusammen setzen und verschiedene physiologische Prozesse im Körper regulieren. Sie stellen aber auch die pathogenen, also krankmachenden Faktoren dar. Vata als subtiles Luft- und Raumelement ist für Bewegung aller Art zuständig. Wenn es gereizt ist, führt dies zu Hyperaktivität und Rastlosigkeit - sowohl körperlich als auch mental. Die vom Parasympathikus gesteuerten Funktionen wie etwa Schlaf und Verdauung geraten in Mitleidenschaft, woraus nur weitere Probleme resultieren. Auch das feurige Pitta-Dosha kann gereizt sein: Es ist ebenfalls ein dynamisches Element und überall dort involviert, wo es um Leistung und Ehrgeiz geht. Schnell kann ein in solcher Hinsicht getriebener Mensch überhitzen oder übersäuern.

Was tun, um aus dieser Spirale herauszutreten? Zuallererst muss Vata beruhigt werden, damit die Energien wieder ins Gleichgewicht kommen (denn der Wind facht das Feuer an!). Die Doshas werden durch ausgleichende Massnahmen balanciert, die ihren Eigenschaften entgegengesetzt sind; Vata mit seinen trockenen, schnellen, beweglichen, subtilen, kalten, rauen und leichten Qualitäten braucht also befeuchtende, ruhige, erdige, nährende, beruhigende und wärmende Impulse aus der Nahrung und im Verhalten. Besonders jetzt, wo Raue und Kühle auch im Klima vorherrschen! Pitta braucht ebenfalls aufbauende und besänftigende Qualitäten.

Im Geist differenzieren wir noch subtilere Prinzipien: die Gunas (Rajas, Tamas und Sattva oder Trieb-, Dunkel- und Lichtkraft). Mit dem Anstieg des Vata-Doshas wird Rajas, die Triebkraft, im Geist provoziert. Ein lichtvoller, friedlicher und ausgeglichener Geist ist jedoch von Sattva dominiert. Wir können uns durch sattvische Nahrung und Verhalten quasi mental transformieren.

 

Und hier ein paar SOS-Tipps für alle, die sich gestresst fühlen:

  • Nährendes und wärmendes Frühstück als Power-Basis zum Start in den Tag
    Möglichst süsse Früchte (z.B. Birne, Banane, Trauben, Mango) zusammen mit Gewürzen (wie Zimt, Vanille, Nelken, Kardamom, Süssholz, Safran, getrocknetem Ingwer etc.) in heissem Ghee (geklärter Butter, falls nicht vorhanden kann Butter verwendet werden) andünsten. Ablöschen mit Trauben-, Birnen oder mildem Apfelsaft. Hafer-, Dinkel- oder Reisflocken sowie Mandel- oder Reismilch hinzufügen und mit Rosinen, Datteln, Mandeln oder Walnüssen anreichern. Es kann auch mit Sonnenblumenkernen oder Chiasamen etc. variiert werden. Aufkochen und ein paar Minuten leicht köcheln lassen. Am besten schmeckt's, wenn das warme Müsli vor dem Verzehr noch ein wenig nachzieht und anschliessend wohl temperiert (und je nach Geschmack noch mit Ahornsirup oder Honig gesüsst) genossen wird. Der kleine Aufwand lohnt sich! En Guete!

  • Selbstmassage zur Steigerung der Stressresilienz
    Es empfiehlt sich Bio-Sesamöl oder Mandelöl zu verwenden. Im Wasserbad auf Körpertemperatur erwärmen und den ganzen Körper liebevoll einölen und umhüllen. In etwas Warmes schlüpfen, das ölig werden darf. Ca. 30 Minuten einwirken lassen. Anschliessend duschen. Natürlich ist es noch schöner, sich von einem erfahrenen Ayurveda-Masseur oder einem lieben Mitmenschen berühren zu lassen. 
  • Yoga und Meditation
    sind die besten Methoden, um die Lichtkraft im Geist zu erhöhen und die Überbetonung der Aktivität zu regulieren. Der Yoga bietet uns dafür mannigfaltige Übungen. Ein kleines Beispiel: Chandra Bhedana, die Mondatmung zur Betonung des Parasympathikus
    Atme während ein paar Minuten durch das linke Nasenloch ein und durch das rechte aus, indem du das jeweils andere Nasenloch mit den Daumen verschliesst. Wenn die Nasengänge verklebt sind, oder Du die Übung im Liegen ausführen möchtest (Rückenlage oder rechte Seitenlage), kannst du dies auch mental üben oder dir sogar vorstellen, wie du über die ganze linke Körperseite ein- und durch die rechte ausatmest.

  • Gewürzmilch - abendliches Nerventonikum zum "Runterfahren"und für einen guten, erholsamen Schlaf

    Einen Becher Milch (Bio, nicht-homogenisiert: Z.B. Demeter oder frisch vom Bauern) und einen Becher Wasser in einem Topf zusammen mit etwas Kurkuma erhitzen und so lange köcheln lassen, bis das Wasser wieder verdampft ist. Absieben und schluckweise geniessen. (Es können z.B. auch getrockneter Ingwer, Kardamom, Fenchel, Safran, Nelken etc. mitgekocht werden. Die Gewürze wirken entschleimend und zum Teil auch zusätzlich nährend).

© Therese im November 2016

 sonne1kl

 Foto: Etang ©Yves Matiegka 2016

 

 

BLOG-REIHE: Missverständnisse und Trugschlüsse auf dem spirituellen Weg

VORWORT

Aufgrund von Rückmeldungen (Danke dafür! Sie sind mir wichtig und wertvoll) möchte ich gerne folgendes vorausschicken:

 Hoffentlich lässt sich niemand von den Texten abschrecken oder aufhalten, den Weg des Yoga einzuschlagen oder weiterzugehen. Die thematisierten Risiken stellen sich nicht konsequenterweise ein! Wer solche Schwierigkeiten also nicht kennt - go on! Enjoy. Es war und bleibt mir einfach ein Bedürfnis, auch Schattenseiten aufzuzeigen, gerade für aktuell davon Betroffene, die auf diesem Weg ein wenig Klärung finden mögen - und sehen, dass sie damit nicht allein sind.

 

Teil 3 - PERFEKTIONISMUS

"Perfektion ist erreicht, nicht wenn nichts mehr hinzuzufügen ist, sondern wenn nichts mehr weggenommen werden kann", erkannte Antoine de Saint-Exupéry. Er beschreibt damit den Häutungsprozess, den wir durchlaufen auf dem Weg zu uns selbst. Dieser Weg ist auch ein Weg zur Mitte, dem gesunden Gleichgewicht. Yoga und Ayurveda dienen uns dabei als Wegweiser.

Weil wir unterschiedlich veranlagt sind, tendieren wir nicht alle zum Perfektionismus. Es gibt den erdigen, gemütlichen Typ, sein Naturell ist langsam, beständig, gelassen und zufrieden. Er besitzt eine grosse Immunität und Resilienz. Zuweilen gerät seine Energie ins Stocken; sein Ungleichgewicht ist Stagnation. Um sich wieder auszubalancieren, braucht er etwas Pfeffer, Feuer. 

Anders verhält es sich beim Menschen, der von Natur aus schon ein hitziges Temperament mitbringt. Er möchte seine Aufgaben zielgerichtet, rasch und perfekt erfüllen, neigt zur Übertreibung, ist sich selbst stets ein Stück voraus. Wenn sein Feuer aggraviert, fühlt er sich permanent getrieben und gibt 150 %. Ändert er nichts, kann es ihn durchaus in eine Erschöpfung treiben. Burn-Out ist heute ja kein seltener Befund.

Dies zeigt, dass das Phänomen gewissermassen auch ein gesellschaftliches ist. Yoga soll uns dienen und da abholen, wo wir stehen. Ich frage mich also, ob ein strenger, asketischer Yoga in unsere Leistungsgesellschaft passt, in unser heutiges Leben hier im Westen, das im Zeitraffer und auf der Überholspur stattfindet. Wir sollten nicht übersehen, in welchem kulturellen Zusammenhang dieser traditionelle Yoga entstand und stattfand. Ging es den Menschen vor 2000 Jahren in Indien tatsächlich so wie uns? Oder würden wir besser fahren mit einer Yogaform, die zu uns im Hier und Jetzt passt, statt etwas nachzuahmen, was uns mitunter mehr von uns entfernt als nützt und heilt..?

Denn der ins Ungleichgewicht geratene Perfektionist neigt dazu, sein Streben auch auf den spirituellen Weg zu übertragen. Es ist der Typ, der sich für 108 Sonnengrüsse oder Mantrarezitationen auf die Matte knechtet, obwohl ihm womöglich dieses eine Mal ein wenig länger Schlafen oder Faulenzen besser bekommen hätte. Er agiert aus einem selbstauferlegten Druck heraus, nicht aus einem ehrlichen inneren Bedürfnis. Diese Strenge hat meist auch mit tief verankerten Prägungen aus der Herkunftsfamiliensituation zu tun.

Zweifellos gibt es unsinnigere Wege, als das innere Feuer in die spirituelle Praxis zu stecken. Manchmal braucht auch gerade ein überhitzter Mensch intensive dynamische Übungen, um Druck abzubauen. Ich sage auch nicht, dass es keinen Enthusiasmus, kein Engagement braucht. Nur haben manche von uns davon schon (zu) viel. In diesem Fall ist also ein Richtungswechsel notwendig, um wieder zur Mitte zu finden. Vielleicht hilft hier die Frage: Was tut mir wirklich gut?

"Nicht so schnell doch, geh langsam, denn du musst nirgends hin als zu dir selbst!" schrieb J. R. Jiménez. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass eine genussbetonte, sinnliche Form des Übens im Yoga sehr viel wirksamer und heilsamer sein kann als die Überbetonung der Disziplin.

Perfekt zu sein ist anstrengend. Denn es reicht nie ganz. Ich denke an den Esel, der seiner Karotte hinterherrennt. Einer meiner Dozenten an der Ayurveda-Akademie fragte die Gruppe: Was ist reich sein? Seine Antwort war, reich sein ist, wenn es reicht. Wie simpel! Und es katapultiert mich direkt in die Gegenwart, nachdem ich irgendeinem Ziel, einem Ideal blind hinterhergerannt bin, stets noch nicht ganz dort, aber auch nicht wirklich bei mir. Der Satz "Ich habe genug" drückt dies ebenfalls treffend aus, gleich doppeldeutig: Ich habe genug - von all dem Stress, aber auch von allem, was ich wirklich brauche.

Nun schliesse ich diesen Beitrag, auch wenn er sich unfertig anfühlt, mit einem Zitat von C.G. Jung. Es besänftigt und lädt ein zum Verzicht auf den Perfektionsanspruch zugunsten der Ganzwerdung.

"Ich möchte nicht vollkommen sein, sondern vollständig".

Danke, Prof. Dr. Martin Mittwede, für die Inspiration.

© Therese im März 2016

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Teil 2 - ANNEHMEN UND LOSLASSEN

Wer Yoga oder eine andere meditative Methode übt, wird mit den Begriffen Annehmen und Loslassen vertraut sein. Was grundsätzlich erst einmal versöhnlich, einladend und entspannend daher kommt, kann im Prozess auch missverstanden werden.

Ein Beispiel: Ich befinde mich in einer Lebenssituation, die sich einengend anfühlt, und mich unglücklich macht; etwas fehlt mir, ich komme nicht vom Fleck, fahre mit angezogener Handbremse. Und all dies nimmt mir das Gefühl von Lebendigkeit.

Jetzt höre ich, ich solle die Dinge nehmen, wie sie sind ("es ist halt so, wie's ist.."), versuche also, mich den Gegebenheiten zu fügen, und noch schlimmer: Ich entwickle sogar Schuldgefühle, weil ich so schwer zufrieden sein kann. Was ich nicht sehe, ist, dass ich hier gerade das Gegenteil von Akzeptanz praktiziere, ich bin nämlich im Widerstand gegen meinen Widerstand. Meine Rebellion findet im Verborgenen statt. Ein Zustand, der nur noch mehr Spannungen in Geist, Atem, Körper hervorruft, mich letztlich krank macht.

Die Frage ist also: Bin ich wahrhaftig in einem Zustand lichtvoller (sattvischer) Zufriedenheit oder ist es eher ein unbewusstes (tamasisches), resigniertes Ausharren (vgl. C.-M. Gerigk, Ayurv. Entwicklungspsychologie und frühkindliche Prägungen, 2013)? Nehme ich meine Lebensumstände in die Hand (annehmen!), gestalte sie verantwortungsvoll und selbstbestimmt, oder bleibe ich ein Sklave derselben?

Annehmen bedeutet in diesem Beispiel also vor allem auch ein prozesshaftes Zulassen von Veränderung (da, wo Veränderung möglich und sinnvoll ist), und wird so gleichsam zum Loslassen von Gewohnheit, Norm und Konformität. "Nichts ist in Stein gemeisselt", schreibt Lucia Nirmala Schmidt in "Faszien Yoga" (2015). Oder, wie der Wiener sagen würde: "Nix is fix".

Dennoch können auch aus diesem Loslassen Trugschlüsse gezogen werden. Zum Beispiel könnte ich gehört oder gelesen haben, dass Gier (rāga) und Hass (dvea) als Auswüchse von Egoismus (asmitā) und Unwissenheit (avidyā) zu DEN Leidverursachern (kleśas) schlechthin zählen (vgl. Patañjali Yoga Sutra), meiner spirituellen Entwicklung also im Weg stehen.

Als fleissiger Yoga-Schüler, der ich bin, möchte ich mich davon folglich befreien. Mein innerer Richter wird nun gieriges und liebloses Verhalten als schlecht bewerten. Kindliche Prägungen (saskāras), gut sein zu wollen/müssen, um (von den Eltern, Lehrern) geliebt zu werden und (in der Familie, der Welt) bestehen zu können, werden aktiviert und projiziert auf den spirituellen Weg (oder eine Schrift, Autorität, den Guru, etc.). In der Folge werde ich jedes einladende "Lass los" (unbewusst) als eine rigide Aufforderung missinterpretieren, und begebe mich in den Kampf gegen meine inneren Dämonen. Das Loslassen wird zum Loswerden-Wollen.

Bei allem, was ich also vermeintlich loslassen, in Wahrheit aber tunlichst vermeiden möchte, stellt sich die simple Frage: Wie kann ich etwas loslassen, das ich noch gar nicht (aus-)gehalten habe? Habe ich meinen Dämonen (der Gier, dem Zorn und Neid, der Reue, dem Hadern und Zweifeln etc.) Einlass ins Bewusstsein gelassen und ihnen ins Gesicht geschaut? Habe ich ihre Anwesenheit so lange ausgehalten, dass sie von selbst wieder gehen (ohne mir zu wünschen, dass sie gehen!)?

Loslassen setzt insofern ein Zu- und Einlassen voraus, um wieder zum Geschehen-Lassen, Fliessen-Lassen zu werden. Oder anders: Im Loslassen liegt das Annehmen. Im Annehmen das Loslassen.

Wer sich hier wiederfindet, kann also darauf achten, dass er nicht am Loslassen selbst festhält. Und sich im Annehmen dessen üben, dass er manches nicht annehmen kann.

 

© Therese im Januar 2016

 

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Teil 1 - LICHT UND SCHATTEN (-Arbeit)

Gerade in esoterischen Gruppierungen und auch in Yogakreisen trifft man häufig auf Menschen, die es als ihre Aufgabe verstehen, jederzeit mehr Licht & Liebe zu kanalisieren und der Welt damit zu dienen. Manche bezeichnen sich als Lichtarbeiter. Das hat auf den ersten Blick nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Es braucht derlei Maximen als Motor und Kompass für die Praxis und das tägliche Denken, Fühlen und Handeln.

Schwierig wird es nur, wenn die lichtvollen Anteile unseres Daseins übertrieben hervorgehoben und idealisiert werden. Dies erzeugt ein Ungleichgewicht, da die Bewegung auf ein Extrem zugeht, während der andere Pol, unsere Schattenseite, unterdrückt - und dadurch selbstverständlich nicht eliminiert - wird, sondern aus der Tiefe wirkt, und zwar in einer destruktiven Qualität.

Diese Tendenz habe ich auch bei Praktizierenden des Positiven Denkens beobachtet, sobald sich diese Einstellung zu einem "Zwangsoptimismus" entwickelt hat. Geistige Regungen werden dann stark bewertet, negative Gedanken haben keine oder weniger Gültigkeit, sofern ihnen überhaupt Einlass ins Bewusstseinsfeld zum Zweck einer Reflexion gewährt wird.

Es liegt mir fern, die Methode des Positiven Denkens an sich herabzuwürdigen. Sie findet sich auch in den Yoga-Quellentexten (bei Patañjali). Doch erachte ich es als erheblich, dass sie nicht absolut gesetzt, sondern mit einer gewissen Wachsamkeit und Weitsichtigkeit praktiziert wird.

Mich persönlich hat das Positive Denken, besonders die Bücher von Joseph Murphy, vor vielen Jahren aus einer grossen Verzweiflung zurück ans Licht geholt. Später war ich in Kontakt mit besagten Lichtarbeitern, und empfand letztlich diese Dauereuphorie als einen unausgeglichenen Geisteszustand. Als es mir zu viel wurde, und ich die Notwendigkeit der Schattenauseinandersetzung im Sinne der Tiefenpsychologie erkannt hatte, kehrte ich dem Licht entschlossen den Rücken und durchlebte zeitweise wieder Phasen tiefer Düsternis. Welch ein Wechselbad, von jetzt aus gesehen.

Betrachten wir das Yin-Yang Symbol, so werden Hell und Dunkel von diametralen Gegensätzen zu komplementären Teilen eines Ganzen, einer Einheit. Beide Qualitäten sind gleichermassen als Keim in der anderen Hälfte vertreten. Psychologisch ausgelegt ergibt sich daraus - für eine ausgewogene Sichtweise zum Zweck der Heilung und Ganzwerdung - die Wichtigkeit, in lichtvollen Erfahrungen den Schatten nicht ganz ausser Acht zu lassen (um nicht im nächsten Moment überraschend-unangenehm überschattet zu werden) und sich in dunklen Zeiten stets des Lichts zu erinnern (und nicht ganz im "Sumpf" zu versinken).

Schauen wir mit der Yoga-Brille auf das Thema, und orientieren uns dabei am kosha (Hüllen)-Modell aus den Upanishaden, der vedantischen Sichtweise oder dem tantrischen E- und Involutionsmodell, so wird aufgezeigt, dass wir jederzeit durchdrungen sind vom Leben selbst, dass ein lichtvoller Kern unsere Essenz ausmacht, und dass es Zweck unserer Existenz hier auf Erden ist, eine Erfahrung zu machen. Schmerzhafte Erlebnisse sind Teil davon und prägen uns, können aber transzendiert werden, wenn wir sie respektieren (= berücksichtigen) und uns ihnen mutig stellen. Tun wir dies nicht, bleibt laut der Yogaphilosophie unser lichtvoller Kern, der im Innersten unser Wesen ausmacht, davon zwar unberührt, wir können diesen aber nicht mehr erkennen. Die Konflikte bleiben als unverdautes psychisches Material (im Ayurveda: āma) in manomaya kosha (der psycho-mentalen Ebene) zurück und sind wie Schlacken zu verstehen, die auch in andere Schichten hinein verzerrend wirken. Wir fühlen keine Vitalität und werden vielleicht krank, unsere intuitive Intelligenz ist eingeschränkt, und wir können keine grundlose Freude empfinden, oder nur sehr eingeschränkt. Das Licht des Bewusstseins ist verschleiert, wir sind quasi blind für das, was uns wirklich ausmacht.

Weisen wir Konflikte ab, indem wir sie loswerden wollen, entsteht der besagte Teufelskreis aus Idealisierung, Unterdrückung und Illusion. Lernen wir sie anzuschauen und auf eine Weise zu integrieren, dass wir damit leben können, verlieren sie an destruktiver Macht über uns und eine grosse Kraft wird frei. Wir werden authentischer und gelassener. Reichlich plump ausgedrückt: Die Scheisse wird zu Gold!

Abschliessend zwei typische Beispiele: Wut und Trauer. Kann ich es mir als geschulte und reflektierte Yogini erlauben, Wut zu empfinden und diese allenfalls sogar auszudrücken? Oder kämpfe ich dagegen an, intrapsychisch und/oder äusserlich in der Projektion, im Versuch das Image einer stets friedvoll und verklärt lächelnden Yogalehrerin aufrechtzuerhalten? Kann ich Trauer zulassen und so lange fühlen, bis sie zu Ende gefühlt ist, oder passt auch das nicht ins persönliche und kollektive Idealbild meiner Rolle? Wie steht es mit Gewaltlosigkeit (ahisa) und Wahrhaftigkeit (satya), den beiden erstgenannten Geboten in den Yoga Sutren? Fängt Gewalt nicht da an, wo ich mich selbst unterdrücke? Bezieht sich Authentizität nicht in erster Linie auf einen ehrlichen Umgang mit mir selbst und dem, was da zu finden ist?

Es liegt auf der Hand, dass die Verdrängung ein Schuss nach hinten ist. Letztlich ist jede Emotion nichts mehr als eine der unendlichen Ausdrucksformen der Energie (shakti). Ein gesünderer Umgang mit Wut wäre also zum Beispiel, sie zu kanalisieren und etwa rituell auszudrücken. Oder solange zu betrachten, bis letztlich ihr Kern erkennbar wird, und sie sich so in eine dynamisch-lebendige und konstruktive Lebenskraft transzendiert. Wut ist Feuer, und Feuer ist das Prinzip der Umwandlung. Vielleicht will das Leben, dass wir etwas verändern oder Neues erschaffen. Auch andere Emotionen wie Traurigkeit wollen so lange fliessen, bis sie zu Ende gefühlt sind, ohne dass wir dabei unbewusst werden und vergessen, dass wir mehr sind als die Trauer (vijñana = unterscheidende Erkenntnis).

Bleibt noch zu beachten, dass der aufgezeigte Ansatz, eben dieser versöhnliche, dem Leben und der Gesundheit zuträgliche Prozess nicht erneut missverstanden, forciert und als neuer - oder alter - Idealismus (verdeckt in neuem Kleid) - durch die Hintertür hereinschleicht!

 

© Therese im November 2015
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