Reinigen und Entschlacken - Anregung für einen "inneren Service"

Ein Inder äusserte einmal mir gegenüber seine Ansicht, wir legten hier im Westen meist grössten Wert auf Glanz und Perfektion im Äusseren, während die innere Reinigung und Erneuerung dabei mitunter vergessen ginge. In gewisser Weise musste ich ihm recht geben.

Jährlich werden unsere "überschüssigen" Steuergelder in perfekt erneuerte Strassenbeläge investiert, damit wir uns wie auf einem Teppich im Verkehr fortbewegen können. Wer wendet sich mit selber Priorität und Aufmerksamkeit seinen inneren Leitbahnen (ayurv.: srotas) zu - befreit sie regelmässig von Schlacken und Ablagerungen für einen reibungslosen Transport der Atmung, der Körperflüssigkeiten, der Ausscheidung? Wir bringen unsere Autos und Fahrräder in den Service, doch inwieweit hegen und pflegen wir unseren Körper als das Gefährt, das uns durch dieses Leben trägt, als den Tempel, in dem die Seele wohnt?

Jedes herabgefallene Blatt wird im Herbst von lästig-lauten Laubbläsern eliminiert, jeder Strauch zurückgeschnitten, "verjüngt", die Pflanzen im Frühjahr gedüngt, genährt, das Feld gejätet, gepflügt, gelockert, die Erde auf neue Samen vorbereitet, die gute Früchte hervorbringen sollen... Kümmern wir uns mit ähnlicher Intensität um unsere innere Welt? Für ihre Gesundheit und Entwicklung bedarf auch die Psyche einer Läuterung und Pflege. Auch sie will von "Unkraut" befreit werden, im Sinne der Transformation unverdauter Erfahrungen, sodass neue, heilsame Impulse gleich Samen in fruchtbaren Boden gelegt werden können und daraus positive und entwicklungsfördernde Gewohnheiten gedeihen.

Die Reinheit und Verjüngung, die ein Organismus bei einer Entgiftungskur erfahren, sind von fundamentaler Wirksamkeit und finden - gemäss ayurvedischem Einheits-Prinzip - auf allen Ebenen statt: Körper, Sinnen, Geist und Selbst. Vielerlei Beschwerden stellen sich dabei auf "wundersame" Weise ein, auch und insbesondere solche, für die der Arzt (noch) keine organische Ursache feststellen konnte. Dabei geht der Ayurveda einerseits davon aus, dass es verschiedene Stadien (kriya-kalas) der noch nicht oder bereits schon manifestierten Krankheit gibt (Pathogenese), und es natürlich besser ist, so früh wie möglich den Kurs zu ändern. Andererseits werden Krankheit sowie Heilung immer psychosomatisch bzw. somatopsychisch betrachtet, eben weil Ayurveda Körper und Geist nicht trennt. Somit setzen sich unverdaute Emotionen auch im Körpergewebe fest. Wenn wir diese "Schlacken" im Körper durch eine Kur herauslösen, kommen auch die festgehaltenen Emotionen wieder ans Tageslicht. Wir erhalten eine neue Chance, sie zu verarbeiten und zu unserer ursprünglichen Lebendigkeit zurückzufinden.

Beim Fasten wirkt in erster Linie das simple Phänomen, dass der Körper die ihm innewohnenden Selbstheilungskräfte von allein aktiviert, wenn wir vorübergehend auf die Zufuhr von Nahrung oder anderen Substanzen verzichten. Dieser der konventionellen Therapie (Zufuhr von Wirkstoffen) gegenläufige Ansatz scheint nachvollziehbar (und nicht mehr so wundersam), wenn man sich überlegt - oder besser: am eigenen Leib erfährt -, wie der Organismus sich endlich einmal von der permanenten Überreizung erholen kann, wenn wir uns sozusagen herunterfahren und unseren Reset-Button aktivieren. Häufig kann erst dann eine aufbauende und nährende Therapie überhaupt greifen; jedenfalls finden diverse Wirkstoffe in einem gereinigten Organismus leichter dorthin und wirken dort, wo sie sollen.

Fortsetzung ... unter dem Wasserfall!

wasserfall

Wasserfall Oberer Düden, Antalya, Türkei
Quelle Bild: https://www.holidaycheck.ch/m/grosser-wasserfall/0dc3908b-dea6-3125-b24a-fca784b30f41

Es gab in den USA eindrucksvolle Studien über Krebspatienten, die im Vorfeld einer Chemotherapie 24 - 48 h gefastet hatten. Die anschliessende Therapie wirkte nachhaltiger und wurde mit geringeren Nebenwirkungen (Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, kognitive Einschränkungen) als üblich verkraftet. Dabei unterscheiden sich die Erkenntnisse der Studie von der herkömmlichen Auffassung darin, dass der Nahrungsverzicht den Organismus letztlich stärkt, und nicht schwächt. Die gesunden Zellen reagieren auf den Nahrungsentzug mit einem Schutzinstinkt, der ihnen genetisch eingeprägt ist (phasenweise - unfreiwilliges - Fasten und Nahrungsverzicht stellen historisch gesehen die Normalität dar - im Gegensatz zum Überfluss an Nahrung in der heutigen westlichen Gesellschaft). Den kranken Krebszellen hingegen steht dieser natürliche Schutzmechanismus nicht zur Verfügung. So wird die erhöhte Wirkung der Chemotherapeutika bei Fastenden erklärt.

Weitere wissenschaftliche Studien über die Verbesserung bei einer Fastenkur liegen bei folgenden Zivilisationskrankheiten, chronischen und psychischen Leiden (die ebenfalls medikamentös oft mit erheblichen Nebenwirkungen behandelt werden) vor: Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, Asthma, Allergien, Ödeme, Ekzeme, Lebererkrankungen, Rheuma, Arthritis, Arthrose, Alzheimer, Depression, Phobien, Zwangsstörungen, Schizophrenie.

Mehr dazu ist in folgender sehr interessanten Dokumentation zu erfahren:
https://www.youtube.com/watch?v=epMRBGKtllY

Bei all diesen Einsichten mag es verwundern, dass Fasten im Gesundheitswesen keine zentrale Rolle einnimmt. Doch damit lässt sich eben kein Geld machen. So stellt die Pharmaindustrie kaum Forschungsgelder für Studien rund ums Fasten zur Verfügung, kritische Stimmen warnen vielmehr vor den Gefahren.

Doch mit typgerechtem, begleiteten und je nach Situation durchaus auch gemässigtem Fasten (mit Suppen, Brühen, Monodiät..) im Sinne des Ayurveda muss man sich solchen Gefahren nicht aussetzen, und erfährt dennoch neue Dynamik, geschärfte Sinne und unbestechliche geistige Klarheit. Man wird sich eingefahrenen Mustern und ungesunden Gewohnheiten bewusster und kann die Gelegenheit für eine tiefgreifende Veränderung nützen.

© Therese im Februar 2017

Wer sich in das Thema vertiefen oder diesen Frühling gerne eine eigene Erfahrung machen möchte, darf sich gerne an meinem Angebot (Tagesseminare, begleitete Fastentage über Auffahrt) orientieren: SPEZIALANLÄSSE


 

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