Boost your Immunity!

Angst, Stress und unheilvolle Vorstellungen ziehen Deine Aufmerksamkeit von dir weg nach aussen und in eine imaginäre Zukunft. Dies schwächt Deine Abwehrkräfte. Was kannst du tun? Bleib bei Dir und stärke Dich! Wie?

Die Immunität stelle ich mir gerne vor wie ein Trampolin: Es ist elastisch und dazu in der Lage, äussere Einflüsse aufzunehmen und abzufedern. Wenn es zu steif ist, verhärtet und spröde, könnte es brechen. Ist es löchrig oder lasch und zu nachgiebig, würde es auch nicht standhalten. Dann bin ich angreifbar. Da ich die Einflüsse, die von aussen auf mich wirken, schlicht nicht immer kontrollieren kann, halte ich es für den besten Weg, mein inneres Trampolin fit, also im Gleichgewicht zu halten. Dann fühle ich mich nicht ausgeliefert, sondern kann aktiv etwas für mich tun ! So kann kommen, was auch kommen mag!

Yoga und Ayurveda sind Meister darin, Balance auf allen Ebenen herzustellen. Neben all dem, von dem Du weisst, dass es Dir guttut, findest Du hier ein paar natürliche, ayurveda-yogische Tipps für jetzt oder jederzeit:

  • Trink jeden Morgen zuallererst ein bis zwei Gläser abgekochtes Wasser. Am besten lasse es in einem Topf für mindestens 10 Minuten kochen. Das kannst Du auch schon am Vorabend tun und es z.B. in einer Thermoskanne warmhalten. Dieses Wasser ist mediziniert und wirkt wie eine reinigende innere Dusche für Deinen Organismus.
  • Du kannst dem Wasser auch ein paar Scheiben frischen Ingwer beifügen oder:
  • Mische einen halben TL Ingwerpulver mit etwas gemahlenem Pfeffer und Honig, sodass eine feine, anregende Paste entsteht. Mit dem warmen Wasser (siehe oben) zusammen einnehmen.
  • Durch die Nacht finden ganz von selbst viele Stoffwechsel- und Reinigungsprozesse im Körper statt. Am Morgen bildet sich dadurch manchmal ein Belag auf der Zunge. Befreie sie davon, indem Du sie (z.B. beim Zähneputzen) mit einem Löffel abschabst. Es gibt auch die dafür speziell geeigneten Zungenschaber zu kaufen (Drogerie, Apotheke, Reformhaus, Internet).
  • Aus unserer Region eignen sich zum Beispiel Holunderbeere, Echinacea und Propolis zur Stärkung der Immunität.
  • Achtung: Wenn Du Vitamin C in Form von Orangen oder anderen sauren Früchten zu Dir nimmst, achte darauf, dass Du dies nicht in Kombination mit Milchprodukten tust. Fruchtsäure und Lactose können nicht miteinander verdaut werden und bilden Toxine.
  • Iss nur bei Hungergefühl und:
  • Hör auf zu essen, sobald sich das Sättigungsgefühl einstellt! Eine gute Verdauung und Immunität hängen sehr eng zusammen. Stell Dir die Verdauungskraft wie ein Feuer vor: Wenn Du zu viel und ständig Holz draufwirfst, obwohl das Feuer nicht gut brennt (Du keinen Hunger / Appetit hast), kann die Nahrung nicht ordentlich verwertet werden.
  • Übe Yoga! Die Körperübungen kräftigen den physischen Körper, stärken die Organfunktionen und somit das Immunsystem. Die Atemübungen reinigen und stärken deine Vitalität, das Energiesystem, welches den physischen Körper trägt. Das ist also sozusagen eine feinstoffliche Massnahme. Meditation klärt den Geist. Es wird Dir bewusst, was übertriebene Ängste sind und wo wirklich Vorsicht angesagt ist. Diese unterscheidende Intelligenz lässt uns vernünftig mit der Angst reden. Wir sind ihr dankbar, dass sie so gut für uns sorgt und können sie auch beruhigen und uns nicht von ihr dirigieren lassen.

 

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© Therese im März 2020

 


Feminism meets Masculism – Rebirth of Unity!

Dafür, dass Mann und Frau seit Urzeiten im Krieg miteinander sind (zum Teil sehr offensichtlich, zum Teil sehr unbewusst), ist die Frauenbewegung verhältnismässig jung. Mein höchster oder tiefster Respekt gilt all den mutigen Frauen (aber auch Männern), die in den dunkelsten Zeiten des Patriarchats im Angesicht von Diskriminierung, Unrecht und Gewalt ihre Stimmen erhoben und sich die Ärmel aufgekrempelt haben, während ihnen die Lebensbedrohung tief in den Genen steckte.

Mit der feministischen Welle haben wir uns selber und allen aber nicht nur Gutes gebracht, sondern schlug das Pendel erst einmal gehörig zum Gegenpol aus. Leider gab und gibt es heute zum Beispiel Situationen, in denen sich Frauen offenbar schon fast schämen müssen, wenn sie sich dafür entscheiden, für einige Jahre «nur» Mutter und «Hausfrau» zu sein, den Archetyp der Mutter und Haus-Halterin in dieser Phase vollständig auszuleben. Klar, manchmal gibt es keine Wahl, und jemand muss arbeiten gehen oder daheim bleiben. Aber gehen wir hier einmal davon aus, dass die Entscheidung grundsätzlich frei ist. Meine Bewunderung gilt den arbeitenden Müttern, die gesund und ausgeglichen bleiben! Jedoch scheint es so, dass viele Frauen unter der Mehrfachbelastung leiden, krank werden und/oder ihre Lebensfreude verlieren. Dasselbe gilt für den «modernen Familienmann», von dem immer noch erwartet wird, ausreichend Geld anzuschaffen, daheim aber gefälligst auch einen spürbaren Anteil Haushalt und Erziehung zu übernehmen.

Das mag auch daran liegen, dass die Durchsetzung unserer gleichen Rechte mit einer Geschlechter-Vereinheitlichung verwechselt wird. Frauen und Männer sind unbedingt gleichberechtigt, aber ihre polaren Attribute werden zum Teil ignoriert, was die Kluft zwischen den Geschlechtern zementiert. Zum Beispiel dann, wenn Männer schlicht keine Kapazität haben, neben ihren häuslichen Verpflichtungen ihrem natürlichen Schaffenstrieb befriedigend nachzugehen und dabei depressiv werden. Oder wenn Frauen leistungsverhaftet und sehr angestrengt versuchen, im Berufsleben «ihren Mann zu stehen», dabei ihre Anima unterdrücken und schlechte Kopien der Männer werden. Manche Männer reagieren darauf nicht verständnisvoll. Sie fühlen sich von einer Frau, die einen übersteigerten Animus lebt, bedroht und greifen sie an oder ziehen sich von ihr zurück. Das können auch sehr subtile Spielchen sein.

An die Frauen, inklusive mich 😊: Genau hier können wir ansetzen: Indem wir unsere weiblichen Qualitäten bis auf die Führungsebene bringen und es anders machen. Indem wir weiterhin unsere Stimmen erheben, wenn Haushaltsarbeit und Kinderbetreuung nicht angemessen honoriert werden. Wenn wir belächelt, beleidigt oder Schlimmeres werden. Aber auch, indem wir nicht weiter gegen die Männer kämpfen, sondern für das Leben! Die weibliche Revolution ist kein Kampf gegen die Männer, sondern für den Frieden! Stellen wir uns unserer grössten Angst: alleine zu sein. Feiern wir unser Frausein, unsere Natur, unser Königinnendasein, unsere Lust, laden wir Männer ein, diesen heiligen Raum mit uns zu teilen, aber hören wir auf, etwas mit Aggression oder Bettelei zu erzwingen -das brauchen wir nicht! Wir haben uns selber degradiert, klein gemacht, die Lügen geglaubt und die Verantwortung somit von uns weggeschoben. In Wahrheit sind wir unabhängig und müssen uns den Zuspruch daher nicht erkämpfen! Damit tun wir uns selber weh. Regredieren wir nicht zu trotzigen Gören! Halten wir unseren Raum und lassen ihn halbdurchlässig: verschlossen für jene, die sich uns respektlos nähern, offen für jene, die dies wahrhaftig tun und mit uns das Leben feiern möchten!

Was hat all dies mit Yoga zu tun? Für mich hat immer alles mit Yoga zu tun 😊

Im Yoga und Tantra geht es um ebendiese Einheit. Wir können in der Praxis (Bsp. Nadi Shodhana - die Wechselatmung) bewusst die Erfahrung der Polarität machen und merken letztlich immer, dass es weder das eine, noch das andere, sondern beides oder nichts davon ist, oder der mittlere Weg (Buddhismus). Ida und Pingala vereinigen sich in der Sushumna Nadi. Shiva und Shakti tanzen ihren kosmischen Tanz. Oder ein Bild, das den meisten vertraut ist: Yin und Yang verhalten sich absolut ausgewogen zueinander, zwischen ihnen fliesst Qi (Sanskrit Prana). Qi oder Prana kann also nur fliessen, wenn unsere polaren Kräfte miteinander in Harmonie sind, wobei das Gleichgewicht immer dynamisch bleibt (sonst wäre es Stillstand = Tod).

Nun ist der Geschlechterkampf nichts anderes als ein Ausdruck des inneren Ungleichgewichts. Intrapsychisch sind Eros mit Logos im Krieg miteinander, Anima oder Animus verdrängt oder unterentwickelt. Ein Mann, der seine Gefühlswelt unterdrückt, sich zurückzieht oder chauvinistische Züge entwickelt (= lehnt die Anima ab). Eine Frau, die sich als Opfer fühlt, selbst blockiert, in ihrer Passivität feststeckt (= lehnt den Animus ab. Hiermit ist mein Ich beispielsweise identifiziert). Ein Mann, der «verweichlicht» / paralysiert / depressiv ist, weil er sein Feuer deckelt (= lehnt den Animus ab). Eine Frau, die mit kurzgeschorenem Haar und Anzug auf dem kühlen Leistungstrip der Karriere ihre Sehnsucht vergessen will, zwischendurch einfach mal Frau sein zu dürfen (= lehnt die Anima ab). Die Frau, die sich für ihre Lust schämt oder beschämt wird; der Mann, der sich oder dem nicht erlaubt wird, Liebe nicht nur für seine Frau, sondern auch für andere zu empfinden. Die Abspaltung von Liebe – den Frauen vorbehalten – und Lust – den Männern vorbehalten – ist eine der grössten Trennungslügen überhaupt!

Das ganze Spektrum ist variantenreich, und alles hat seine Berechtigung. Die Beispiele mögen plakativ, vielleicht provokativ wirken. Mir ist ausserdem bewusst, dass ich in Bezug auf geschlechtliche Polarität Stellung beziehe und mich somit in Genderfragen und sexueller Identität aus dem Fenster lehne. Vielleicht und hoffentlich geht spätestens aus dem Rest des Artikels meine unbedingte Absicht hervor, nämlich auf die simple Wichtigkeit zu zeigen, dass alle Menschen, Frauen und Männer, Transgender Menschen, homo-, hetero-, bi-, pan-, a- und transsexuelle Menschen, monogame, polyamore, alle, die ich vergessen habe, einfach Menschen allgemein, ihren Frieden zuerst in sich selber finden dürfen, um Frieden in der Welt zu kreieren. Der umgekehrte Weg funktioniert nicht. Wenn wir merken, dass wir uns beschweren, lohnt es sich unbedingt, im eigenen Inneren aufzuspüren, wo und wann wir uns unvollständig fühlen und damit selber im Krieg sind.

 

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Ardhnareshwar 

Um in die ursprüngliche Einheit zu finden, in unser ganz persönliches Lot, müssen wir aufhören, die Schuld im Aussen den «anderen» zuzuschieben oder uns selber schuldig zu fühlen. Es gibt keine Schuld und keine Unschuld! Daher muss auch nichts vergeben werden. Schuld und Sühne sind der leidvolle Mythos, der in unserer abgetrennten Wirklichkeitswahrnehmung wurzelt. Wir haben uns selber aus dem Paradies geworfen, sind eingeschlafen, haben vergessen, wer wir sind und uns mit dem Ego eine Parallelwelt / Scheinrealität voller Qual und Schmerz aufgebaut! Wir müssen keinen Weg irgendwohin zurück beschreiten, wir sind mitten drin, alles ist bereits hier und jetzt, immer schon, zeitlos, wir müssen das einfach nur realisieren! Alle haben und jeder hat zu jedem Zeitpunkt einfach nur so gehandelt, wie er/sie dazu aufgrund seiner geerbten und selbst erlittenen Verletzungen imstande war. Das ist o.k. Lassen wir es. Auch wenn die persönliche und kollektive Geschichte verstopft ist von grauenhaften Gräueltaten. Ist es nicht langsam langweilig und vorbei? Schauen wir jetzt endlich, wie wir es anders machen können!

Dafür müssen wir zuallererst in uns selbst hineinschauen und herausfinden: Auf welchem Pol stecke ich psychisch fest? Wie manifestiert sich das im Körper und im Leben? Wohin muss ich mich bewegen oder zumindest schauen, um mich wieder einzumitten? Wir müssen Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen, das heisst, bei uns bleiben und (im Körper!) fühlen, was gefühlt werden möchte (wann und von wem auch immer uns die Gefühle ausgelöst wurden), ohne abzuspalten oder nach aussen zu schiessen. Ja, das tut manchmal einfach nur so verdammt weh. Aber es vergeht. Wieder und wieder und wieder.

Fachkundige Begleitung, The Work von Byron Katie, Mitgefühl, wie es im Buddhismus praktiziert wird, oder Ansätze aus der modernen Psychologie wie Mindfulness Self Compassion sind dabei unheimlich hilfreich und wertvoll. Dann kehrt langsam Ruhe ein. (Dieser Anteil wird dem weiblichen Prinzip, der Anima oder Yin zugesprochen). Und dann können fruchtbare und konstruktive Impulse aufgenommen und umgesetzt werden. Wir kriegen unseren Arsch hoch und kommen in die Handlung! (Dieser Anteil wird dem männlichen Prinzip, dem Animus oder Yang zugesprochen). Dies kann dann nicht mehr egoistisch geschehen, nicht gegen irgendetwas oder -jemanden, sondern co-kreativ (statt co-abhängig), im Dienste und Sinne des Lebens! Wir leben so, wie wir gemeint sind, fühlen uns darin «richtig» und erfüllen unseren unverzichtbaren Teil eines grösseren Plans. Jeder und jede in seiner/ihrer Einzigartigkeit ist wichtig und gefragt! Das klingt paradiesisch…

Wir kommen innerlich in eine solche Zufriedenheit, ja einen solchen Lebens-Liebesrausch, dass es nicht mehr nötig ist, andere für ihre Unvollkommenheit, Makel oder Unreife zu «blamen». Wir müssen uns auch selber nicht mehr dafür verachten, wenn wir Fehler machen oder es mit der Selbstannahme oder Umsetzung halt mal noch nicht so klappt. Ganz viel geschieht schon in die Richtung, das ist grossartig. Wir können viel voneinander lernen und uns stärken, statt einander in den Rücken zu fallen. Der Weg bleibt das Ziel.

Danke diesmal insbesondere Carl Gustav Jung, Byron Katie, Anouk Claes, Andrea und Veit Lindau, Kristin Neff und Christopher Germer, Christian Nigg, Ute Strohbusch und Dania Schiftan für Euer Sein & Wirken, fürs Berühren, Aufwühlen und Beruhigen. Tiefer Dank an all die Spiegel (-menschen, -situationen), die in mein Leben kommen, damit ich mich darin selbst erkennen darf.

«Das Selbst erkennt sich selbst durch sich selbst»
aus der Yogaphilosophie (weiss jemand woher genau?)

One self, one love, one yoga

© Therese im Februar 2020

Kommentare wie immer willkommen 


 

Eine besondere Yogaübung im Umgang mit Ängsten und Schwierigkeiten 

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Foto by Soren Wolf @ flickr

Bei der «Wunderübung» handelt es sich um «kapala bhati», eine klassische Reinigungsübung, bzw. eine Vorbereitung für pranayama, die Atemübungen im Yoga. In diesem Blog möchte ich nachvollziehbar aufzeigen, warum kapala bhati eine so ungeahnte und weitreichende Bedeutung hat. Um den Zusammenhang zur Psyche und dem Nervensystem zu knüpfen, muss ich ein wenig ausholen.

Eine mögliche Übersetzung für pranayama ist «Atemkontrolle». Da wir Menschen heute im Westen meist schon recht kontrolliert (bis unterdrückend) unterwegs sind, ist mir diese Bezeichnung nicht besonders sympathisch, allein das Wort kann ein bedrückendes Gefühl auslösen. Ich bevorzuge ein «natürliches oder organisches Münden in verlängerte Atempausen». Kapala bhati führt uns dorthin. Wie, erkläre ich weiter unten. Zunächst schauen wir an, warum das überhaupt interessant ist.

Wenn wir in eine Stresssituation geraten, die unser Gehirn als überwältigend, also lebensbedrohlich einschätzt, stehen unserem Nervensystem Überlebensstrategien zur Verfügung. Nämlich Kampf, Flucht oder Erstarrung (engl. fight-flight-freeze). In der Steinzeit oder in der Wildnis war / ist das z.B. die Konfrontation mit einem gefährlichen Raubtier, nehmen wir den Tiger. Nun, in unserer (über-)zivilisierten Gesellschaft besteht nur eine verschwindend kleine Chance, in eine solche Situation zu geraten. Eher bekommen wir Stress mit dem Chef oder dem Nachbarn oder werden von jemand / etwas anderem emotional getriggert, was in uns grosse Wut, Ängste oder gar eine existentielle Not auslösen kann. Manchmal ist das auch nicht so bewusst, wir fühlen uns dann einfach sehr unwohl. Denn der Zustand wird von einigen unangenehmen Körpersymptomen begleitet, wie Herzrasen, grosse Körperspannung, Hitzeschübe etc., ausgelöst vom sympathischen Zweig des vegetativen Nervensystems. 

Die Reaktionsmechanismen im Stammhirn haben sich quasi nicht verändert. Je nach Veranlagung - welche Kräfte stehen uns zur Verfügung? Sind wir schnell? Stark? Können argumentieren? - werden wir in die Abwehr gehen, aus der Situation flüchten wollen oder erstarren (Tierreich: sich totstellen). Letzteres kann auch eine Art Kurzschlussreaktion sein, wenn die Entscheidung zwischen Kampf und Flucht misslingt bzw. beide Strategien scheitern. Jedenfalls geschehen diese Reflexe blitzschnell, unbewusst, das müssen sie ja, sollen sie doch unser Überleben sichern. Zum Reflektieren bleibt keine Zeit. Es ist wie eine Waschmaschine, deren Knöpfe gedrückt werden – schon läuft das Programm. Im Yoga wird dieser Selbsterhaltungstrieb als "abhinivesha" bezeichnet, das 5. klesha (leidvolle Spannung). Es heisst, dass selbst die Yogis diesen nicht "überwinden" können. Darum geht es auch nicht! Genausowenig, wie es darum geht, das Ego zu "überwinden". Es geht darum, diese Phänomene zu durchschauen, zu respektieren und einen Umgang damit zu finden. 

Nun zum Kernthema: Ein weiterer Überlebensreflex, der im Stammhirn reguliert wird, ist der Atemreflex. Auch dieser läuft einfach, und zwar unaufhörlich. Wenn wir nun bewusst und gewollt üben, den Atemreflex auf organische Art und Weise auszudehnen (=pranayama), machen wir eine neue Bewusstseinserfahrung. Man kann es beschreiben wie einen weiten Raum, der sich auftut. Auch das Zeitgefühl dehnt sich. Ich habe schon mit einigen Menschen gesprochen, die free diving praktizieren, sie haben mir die Erfahrung der Bewusstseinsveränderung in den Atempausen bestätigt. Durch die positive neue Erfahrung ("ich sterbe nicht!") lernt das Nervensystem, dass auch die anderen Überlebensreflexe (fight-flight-freeze) ausgedehnt werden können, ohne dass etwas Schlimmes passiert. Im weiten Raum entsteht die Möglichkeit, bisher verdrängte, unverdaute (weil als übermächtig erfahrene) Erlebnisse und Gefühle auszuhalten, zu verarbeiten und zu integrieren, anstatt blitzartig auf die alt-bewährte (aber eben oft auch unangebrachte und auf jeden Fall unangenehme) Weise zu reagieren. So wie für das Spiel mit der Atmung, müssen wir jedoch zunächst einmal auch dazu bereit sein, uns mit der Schwierigkeit bewusst und gewollt zu konfrontieren. Das ist wichtig zu verstehen, weil es nicht funktioniert, wenn wir bereits im fight-flight-freeze Modus drin, also mit dem Problem identifiziert sind.

Wie aber gelingt es nun, in die Atempausen zu finden, ohne dass unser Stammhirn Alarm schlägt, wir in die alte Not geraten und die Übung – oder gleich den ganzen Yoga – als für uns ungeeignet aburteilen? Durch die Vorbereitung mit der wunderbaren Übung kapala bhati. Dabei wird die Ausatmung für eine Weile beabsichtigt forciert und beschleunigt, wodurch weit mehr CO2 abgeatmet wird als gewohnt. Dies wird über den Blutweg dem Gehirn (Atemzentrum) gemeldet. Woraufhin das Gehirn entscheidet, dass weniger geatmet werden muss, und dies wiederum als Meldung an die Atemmuskulatur schickt: Die Atemfrequenz sinkt messbar bzw. ergeben sich die organischen Atempausen. Auch das Herz reagiert darauf - mit einem Zustand einer höheren «Herzfrequenzvariabilität», das ist die Fähigkeit, mit Belastungssituationen besser umgehen zu können. Der Zustand, den wir in der Alltags- oder esoterischen Sprache als ein «weites, offenes Herz» bezeichnen. Wir fühlen uns nicht mehr dazu gezwungen, «zuzumachen», um uns zu schützen, sondern erleben neu die Möglichkeit, "hinzuschauen". 

Die chemische Veränderung im Blut (CO2/O2) wird phänomenisch nicht nur als Raum, sondern manchmal als Erfahrung von Licht erlebt, daher kommt auch der Name kapala bhati – «Schädelleuchten», oder als Schwindel – «die beseeligende Ohnmacht des Geistes», der sich jedoch bald wieder von selbst reguliert. Hier passt der wichtige Hinweis: Kapala bhati soll nur unter der Anleitung einer erfahrenen Lehrperson erlernt / geübt werden! Fehlt diese, fehlt unter Umständen auch das nötige Feingefühl und es besteht die Gefahr einer Retraumatisierung.

Der oben beschriebene weite Raum, den wir durch das Praktizieren von pranayama zur Verfügung haben, kann man auch als erhöhte Kapazität verstehen, schwierige Situationen und Gefühle erst einmal zu erlauben, ohne gleich etwas damit zu machen (verdrängen, ausagieren). In der Psychologie spricht man in diesem Zusammenhang von «containment» (Container = ein Behälter): Was /wieviel kann ich aushalten? Im Licht der Erkenntnis fühlen? Dies wiederum hängt auch davon ab, wie stark und durchlässig meine feinstofflichen Energieleitbahnen (nadis) sind, um einen weiteren Link zum Yoga zu machen. Dieser bietet uns hierfür neben kapala bhati eine Vielzahl weiterer Übungen an. Denn was fliesst in den nadis? Prana. Gefühle sind nichts anderes als Ausdruck dieser Lebenskraft / -energie. Sie können sich dann frei im System bewegen, wenn die nadis geklärt sind und ich somit viel «Fühlraum» zur Verfügung habe, also ein grosses containment.

Was passiert, wenn ich meine Wut nicht aushalten kann? Ich muss sie deckeln oder abreagieren. Kann sie frei fliessen, fühlt sie sich lebendig, kraftvoll, motivierend an. Was passiert, wenn ich meine Traurigkeit nicht aushalten kann? Ich fühle mich isoliert und blockiert. Kann sie frei fliessen, fühlt sie sich warm und schön an, verbindend mit allen anderen fühlenden Wesen, weil jeder manchmal Schmerz erfährt. Was passiert, wenn ich meine Lust und Lebensfreude nicht aushalten kann (zum Beispiel wegen eines Schuldgefühls)? Ich unterdrücke sie und bekomme Hautausschläge oder andere Symptome. Oder ich muss sie ständig befriedigen und (miss-)brauche dafür Substanzen oder Menschen (z.B. emotional). Kann sie frei fliessen, habe ich einen guten Grundpegel an Lebenslust im Alltag, werde zum Leuchtturm und zur Inspiration für andere.

Durch den neuen Umgang insbesondere mit sogenannten «schwierigen» Emotionen leuchtet letztlich Erkenntnis für ihre Ursache auf, welche immer in uns selbst liegt. Schuldgefühle oder -zuweisungen (in Form von Projektionen) im Aussen hören auf. Die Suche ist zu Ende. Wir ruhen in uns selbst. Wahre Veränderung wird möglich.

© Therese im November 2019

Wer Lust bekommen hat, das Thema unter Anleitung und in geschütztem Rahmen an sich selbst zu erfahren,
kann sich für eine Einzelbegleitung oder kurzfristig für den Workshop«Licht ins Dunkel» am 23./24. November in Basel anmelden.

Neben Eigenerfahrung und Erfahrung mit Klienten / Yogaschülern stützen sich meine Aussagen auf folgende Quellen:
Trökes, Anna und Knothe, Bettina: «Neuro-Yoga. Wie die alte Weisheitspraxis auf unser Gehirn wirkt», O.W.Barth 2014
Mitzinger, Dietmar: «Der Pranayama-Effekt in der Trauma-Arbeit. Wie Pranayama die Affekttoleranz steigert und damit die Traumatherapie unterstützt», Junfermann Verlag 2018


 

Ode an die Lust

"In jeder asketischen Moral betet der Mensch einen Teil von sich als Gott an und hat dazu nötig, den übrigen Teil zu diabolisieren." Friedrich Nietzsche

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Gustav Klimt: Wasserschlangen II (Freundinnen), 1904

Lust als ungetrübte Freude, als grundlegendes Lebensgefühl in Form von Genuss, auch sexuellem Begehren, scheint das erste Gefühl zu sein, das wir zu unterbinden lernen, weil es so schwer auszuhalten ist, wird es nicht befriedigt. Diese Überzeugung liegt in der Wiege der Psychoanalyse Sigmund Freuds, und wurde teilweise von der modernen Psychologie revidiert. Mir macht es Sinn. Jedenfalls verstehe ich die Kausalkette, die dadurch in Gang gesetzt werden kann, jetzt besser.

Wenn Lust nicht fliessen darf, kommt zuerst ihre Kehrseite Wut und Ablehnung zum Vorschein. Die kann sich in Aggression steigern, welche sich mitunter destruktiv entlädt. Wut hat einen schlechten Ruf, und aggressives Verhalten ist inakzeptabel. Somit muss beides unterdrückt werden. Das kann in einer Depression enden, und/oder es bleibt ein diffuses Angstgefühl, das nur noch schwer herleitbar ist, sich aber äusserst un-lust-ig anfühlt. In diesem Stadium haben wir uns sehr stark vom natürlichen Fluss der Lebenslust abgeschnitten.

Beziehen wir es auf die Bereiche Essen und Sexualität.

Wie schon an anderen Stellen erwähnt, gibt es heutzutage kaum irgendwo so viele Ideologien und Konditionierungen wie im Bereich der Ernährung. Oder kennt jemand noch das reine Lustgefühl, das mit sorgenfreiem Essen einhergeht? Kaum. Hingegen ist eine allgemeine Verwirrung bis hin zur Abstumpfung und Entfremdung zu beobachten. Unser natürliches Wissen darüber, wer wir sind und was wir brauchen, scheint uns abhanden gekommen zu sein. Stets auf der Hut, uns und unsere Familien gesundheitlich und moralisch einwandfrei zu ernähren, ist Essen für viele zur reinen Kopfsache geworden, und der Umgang mit Genuss beherrscht von Restriktionen. So richtig stimmig kann es mit dieser abgetrennten Sicht nicht werden, weil die hiesigen Trends und Überzeugungen ständig wechseln und/oder je nach Ursprung unvereinbar divergieren, was uns immer tiefer desorientiert und zerstreut. Und es gibt Streit mit den Kindern!

In der Sexualität ist es ähnlich. Wir hätten einfach gerne unsere Triebhaftigkeit "überwunden" und identifizieren uns als erhabene Spezies (sich über die Natur erheben - wie geht das!?). Diese illusionierte Überlegenheit zementiert die kollektiven Glaubensstrukturen über Beziehung und eheliche Bindung in unseren Köpfen, dass es einem regelrecht die Luft abschneiden kann... doch das Leben lässt sich nicht ersticken - wie das Gras zwischen Asphaltspalten schon seinen Weg findet... so ertappen wir uns dann und wann doch bei einem zensierten Gedanken oder gar einer affektiven Handlung! Und fühlen uns dabei ... im Reinen? Tja...

Buddha fand zunächst nicht in die Einung - nicht im Überfluss seines Elternhauses, nicht in der Selbstkasteiung seiner Askese. Weder im blinden Konsum noch in rigiden Denk- und Verhaltensmustern. Sondern in einer Kindheitserinnerung an sein angeborenes, natürliches Verbundensein mit sich selbst, der Umgebung, mit allem. Er musste beide Pole kennen, um zu erkennen, dass es nicht das und nicht das (Skrt. ni-ni), sondern das Dritte, das Vereinende ist, und lehrt den mittleren Weg.

In der Frage nach dem "rechten" Mass können wir schauen: Auf welchem Pol sitze ich (fest)? In welche Richtung habe ich mich fixiert? Oder kann ich mir beides von Zeit zu Zeit erlauben: Der Lust ungehemmt zu frönen, wie auch zu verzichten, wenn's mir danach ist? Kann ich mich noch ungezwungen vom einen zum anderen bewegen und mittendrin, gegenwärtig, ganz ich selbst sein? In dieser Mitte kann die Lust gelebt werden, ohne dass sie verdrängt oder zwingend befriedigt werden muss. Dieser Punkt ist wichtig, denn es geht nicht darum, jeder Attraktion handelnd nachzulechzen, sondern einfach darum, bei sich zu sein und zu erkennen, welche Lust-Blocker in Form persönlicher oder (meist) kollektiver, gesellschaftlicher Konditionierungen in einem wirken (in der Ernährung ist das bspw. derzeit ein starker "Gesundheits"-Hype).

Auch Befriedigung kann ein Nicht-Aushalten der Anwesenheit von Lust bedeuten. Die Tantriker wissen darum und üben den Flow, das heisst im Fluss von tiefer Lust oder Freude oder Liebe in Hingabe zu SEIN. Im Flow, bei grosser innerer Gelöstheit gepaart mit grosser Wachheit, passiert eine Entbindung von den Auslösern (vs. die Bindung - Skrt.samyoga); Zwänge brechen auf: Ich tue nichts, weil ich MUSS, ich lasse nichts, weil ich MUSS. Letztendlich scheint es irrelevant, was genau ich tu und lass. "Wenn's niemandem schadet!!", wird man denken. Ich ahne, dass es demjenigen, der - durchaus auch in An-Erkennung von Begrenzung und Verwirrung - in Übereinstimmung mit sich selbst und allem lebt, unmöglich wird, wahrhaftig Schaden anzurichten; dass er indes zur Inspirationsquelle wird für jene, die sich im Kreislauf des Leidens (Skrt. samsara) selbst bekämpfen.

Danke, Anouk, für die Erinnerung.

Skrt.= Sanskritbegriff

© Therese im August 2018 ... to be continued. Ich freue mich über alle Kommentare und weitere Anregungen, auch hilfreiche Kritik an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder auf facebook.


 
Die Rolle der Psyche in der Ernährung

Wenn Nahrung unbewusst als Ersatz für unbefriedigte Bedürfnisse genossen bzw. missbraucht wird, nützen keine Empfehlungen und schon gar keine Regeln oder Kontrolle des Essverhaltens. Viele Menschen kennen den Teufelskreis, der daraus entsteht: Eigentlich spürt man im Prinzip, was einem gut tut und was nicht. Dennoch fühlt man sich gewissermassen als Sklave seiner Gewohnheiten; jede Diät und jeder Veränderungsversuch scheint erzwungen und endet in einem gefühlten Krieg gegen sich selbst. Möglicherweise gelingt es zunächst, gefasste Vorsätze umzusetzen, nur zu oft schlägt das Pendel jedoch früher oder später in noch extremerer Weise in die andere Richtung als zuvor - Schuldgefühle, Frust und Resignation folgen.

Wann wir auf welche Nahrungsmittel  zurückgreifen, unterliegt oft gar nicht unserer willentlichen Kontrolle. Sonst wäre es ja einfach, auf Ungesundes zu verzichten. Tatsächlich werden wir aber, sobald wir eine Abhängigkeit (von z.B. Zucker, Fett, Salz, Nikotin, Koffein, Junk Food etc.) entwickelt haben, bei der Nahrungsauswahl und -aufnahme von komplexen biochemischen Prozessen gesteuert.

Das kann man sich in etwa so vorstellen: Sobald wir in unserem Alltag von einem Stressor getriggert werden (in diesem Zusammenhang sind das meistens psycho-mentale bzw. emotionale Stressoren) wird die Stress-Achse (sog. HPA-Achse) aktiviert und setzt unser Gehirn eine Kaskade an Botenstoffen frei. Um insbesondere mit dem daraus resultierenden Überschuss an Cortisol umzugehen, erzeugt der Körper ein starkes Verlangen nach Wirkstoffen, die uns Genuss verschaffen, sodass der Dopaminspiegel ansteigt - kurzfristig geht es uns dann besser. Diese Bewältigungsstrategie wird als "erfolgreich" abgespeichert. Allerdings fängt das Gehirn als Reaktion auf die Überschwemmung mit Dopamin (die nämlich auch eine Art Stress bedeutet) damit an, Rezeptoren zu kappen und uns weniger empfänglich für Lust zu machen. Daher brauchen wir von den Genussmitteln immer mehr und öfter. So wird aus einer ungünstigen Gewohnheit eine krankmachende Abhängigkeit, der wir ausgeliefert sind, da diese Vorgänge sehr rasch und unbewusst geschehen; wir haben keinen Handlungsspielraum und fühlen uns dadurch wie fremdgesteuert. Die beschriebenen Abläufe folgen demselben Prinzip wie alle anderen Süchte.

Hier setzen Yoga und Ayurveda an und bieten uns eine Vielzahl an Massnahmen und Methoden an, dieses innere Spiel zu durchschauen und den Teufelskreis zu durchbrechen.

Einerseits gibt es spezielle ayurveda-medizinische Kräuterpräparate, die hirntonisch wirken. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sie eine starke sattvische, also bewusstseinsfördernde Wirkung auf den Geist ausüben. Sie steigern unsere Resilienz und Affekttoleranz in Bezug auf Stressoren, sodass wir uns zunehmend Handlungsspielraum schaffen können, ohne weiter blind unseren Automatismen folgen zu müssen. In der traditionellen Gesundheitslehre zählt man aber auch eine ganz bestimmte Gruppe hiesiger Lebensmittel aufgrund ihrer besonderen Wirkung auf die mentale Immunität zum "Superfood" für die Psyche.

Eine ähnliche Wirkung auf das Gehirn haben yogische Atemübungen - Pranayama. Dabei zünden hauptsächlich die Neuronen im Präfrontalkortex. Die Aktivität und Zellversorgung mit Prana - Lebenskraft - steigen also genau in dem Hirnareal, das für Achtsamkeit und Präsenz zuständig ist, wie neuere wissenschaftliche Studien belegen.

Wir können zudem mit Vata-regulierenden Massnahmen unser bei Stress und Heisshunger ausser Rand und Band geratenes Luft-/Äther Element besänftigen. Vata (Wind) entfacht nämlich den Heisshunger besonders nachmittags / frühabends (Vata-Zeit!) nach einem intensiven Tag bei der Arbeit oder daheim mit Kindern und Haushalt. Weil meistens die Verdauungskraft aber nicht optimal funktioniert, können Nahrungsmittel von minderer Qualität und Genusssubstanzen noch schlechter verarbeitet werden, und somit mehr Probleme im Organismus verursachen.

Natürlich helfen auch psychologische Gespräche, um die Ursache der Stressoren und daraus entstehenden Abhängigkeiten zu analysieren und ins Bewusstsein zu holen.

Eine weitere, hervorragende meditative Übung ist die Methode des Dämonenfütterns. Sie stammt aus dem Buddhismus und hat eine lange Tradition. Auch die moderne Psychologie arbeitet - in abgewandelter Form - mit diesem Tool:

Eigentliche, aber verdrängte, in der Tiefe nagende Bedürfnisse werden im Rahmen dieser Übung auf überraschend einfache Weise offen gelegt. Sie werden als Dämon personifiziert, mit dem nun ein innerer Dialog stattfindet. Die weitere Übung besteht darin, durch wiederholende Zuwendung zu lernen, die dämonenhaften Bedürfnisse ohne äussere Mittel zu befriedigen, und sich auf diese Weise mit dem eigenen Schatten auszusöhnen. Oftmals handelt es sich z.B. um die unbefriedigte Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Zugehörigkeit etc., die durch die Entwicklung von Selbstmitgefühl und -fürsorge gestillt werden kann. Dann vollzieht sich die Transformation des inneren Dämons in einen Verbündeten. Das bedeutet, dass abgespaltene Persönlichkeitsanteile aus dem Unbewussten geholt und wieder integriert, und die Selbstheilungskräfte aktiviert worden sind. So kann eine wahrhaftige Veränderung greifen. Wichtig ist es zu verstehen, dass die unbewussten Anteile nur aufgrund der bisherigen Ablehnung zu dämonenhafter, angsteinflössender Grösse und Macht gewachsen sind. Sie wollen einfach angeschaut (und gefüttert) werden!

Neben "Essdämonen" kann auch mit allen anderen Kräften gearbeitet werden, die man in sich als schwierig, triebhaft, destruktiv oder spannungsgeladen erfährt: Körperliche Symptome wie chronische oder wiederkehrende Spannungen, Schmerzen, Krankheiten, Süchte, Emotionen, die als unangenehm bis übermächtig erlebt und daher unterdrückt werden, Ängste, Phobien, Geldsorgen, Perfektionismus, Arbeitswut, Minderwertigkeitsgefühle, Einsamkeit, (andere) Traumata ...

In der Geschichte Siddharta Gautamas, des historischen Buddhas, wird berichtet, dass er, besonders in der Nacht seiner Erleuchtung unter dem Bodhi Baum, ebenfalls sehr intensiv von inneren Dämonen und Abgöttern (auch "Mara" genannt) heimgesucht worden ist, ihnen jedoch letztlich offen begegnen konnte ohne wegzuschauen, zu kämpfen oder mitzugehen, und dadurch erleuchtet wurde.

Ich arbeite mit allen genannten Methoden im Rahmen der Einzelbegleitung, die ich anbiete. Auch in den Herbst-Seminaren "LICHT INS DUNKEL" und "Ayurveda & Yoga bei stressbedingten Beschwerden" werden wir die Themen genauer beleuchten und viel praktisch üben.

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Buddha, resisting the demons of Mara

I STOPPED FIGHTING MY DEMONS - WE ARE ON THE SAME SIDE NOW


© Therese Matiegka im Frühling 2018 - Echo erwünscht an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!            


 

Der Tod und was danach (nicht) kommt

Kennen Sie die kindlich-jugendliche oder auch religiös konnotierte Idee vom ewigen Leben? Vom Tod wollen viele lieber nichts wissen und sich jung, fit und schön und eigentlich unsterblich fühlen. Was dem nicht entspricht, wird gerne weggeschoben.

Wer - in aller Regel unfreiwillig - mit dem Tod konfrontiert wird, sei es durch Krankheit, Krise, Verlust oder Trauma, ist gezwungen hinzuschauen. Es kann auch einfach das Älterwerden sein, welches einem das Thema mehr und mehr ins Bewusstsein ruft. Plötzlich zu realisieren, nicht mehr zu den "Jungen" zu gehören, zu merken, wie viel sich verändert hat, wie vergänglich doch alles ist. Nichts ist, wie es "früher einmal war". Stetig von neuem loslassen, loslassen, loslassen. Die neue Situation akzeptieren, die auch nicht für immer so bleiben wird. Mit einem solchen Gefühl der äusseren und inneren Auflösung geht die Frage einher: Gibt es etwas (im Inneren), was Bestand hat? Das einzig Beständige ist die Veränderung, sagen die Buddhisten. Dazu komme ich gleich noch.

Bei den Hindus gilt der Seelenkern als unsterblich (ātman, er ist in allen Individuen derselbe. Atmen hat interessanterweise dieselbe Wortwurzel). Mitsamt einigen Merkmalen, dem lịnga (Seelenmerkmal, individuell geprägt), das der Seele sozusagen anhaftet (entsprechend wie man lebt und was man tut) wird man wiedergeboren. Innerhalb dieses Seelenmerkmals sitzen karmische Prägungen wie Stempelabdrücke. Die Karma-Theorie ist sowohl komplex als auch simpel - jede Ursache hat eine Wirkung. Das hat nichts mit Schuld und Strafe oder Belohnung zu tun, wie es z.B. häufig in der katholischen Kirche missinterpretiert wurde und wird. Das Wort "Sünde" im Wortsinn meint schlicht "das Ziel verfehlen".

Im Buddhismus gibt es so etwas wie die reinkarnierende Seele gar nicht (anātman). Dort wird das Ursache-Wirkungs Prinzip so verstanden wie eine Billardkugel, welche durch die ihr mit dem Anstoss übertragenen Energie (Ursache) eine andere Kugel anstösst und auf ganz bestimmte Weise und in ganz bestimmte Richtung ins Rollen bringt (Wirkung). Dort geht man davon aus, dass die Existenz eines Menschen beim Tod tatsächlich in sich zusammenfällt, aber eine entsprechende Energie hinterlässt, die ihrerseits wieder neues Leben verursacht.

In der Psychotraumatologie nach Dr. Franz Ruppert, München, stellen (beispielsweise nach dem traumatisierenden Verlust eines nahestehenden Menschen) Fragen über den Sinn des Todes und Erklärungsmodelle darüber, was danach ist, häufig Verdrängungsmechanismen dar. Um den puren Verlustschmerz und die eigene Ohnmacht nicht unmittelbar aushalten zu müssen, flüchten sich Hinterbliebene in Vorstellungen über schicksalhafte Vorherbestimmung ("es musste wohl so sein") und Hoffnungen ("bestimmt geht es ihm jetzt gut und sehen wir uns im Jenseits wieder"). Durch diese Überlebensstrategie wird die schmerzhafte Erfahrung in der Psyche dissoziiert, um das eigene Weiterleben und Funktionieren im Alltag zu sichern. (Vgl. dazu die Bücher und Vorträge "Symbiose und Autonomie", "Seelische Spaltung und innere Heilung").

Für uns Menschen und insbesondere für unsere Egos scheint die nüchterne Vorstellung schwierig, dass nach dem Tod von uns nichts mehr übrig bleibt und nichts mehr ist. Diese Variante kann aber im Prinzip nicht ausgeschlossen werden. Oder?

Antworten gibt es keine, so bleibt es eine der grossen Fragen im Leben, die als Fragen stehen bleiben und gelebt werden (müssen). Letztlich bleiben uns Modelle und Theorien, die vielleicht helfen können, etwas, das wir nicht verstehen, doch noch etwas mehr einzuordnen. Der Verstand kann nur in Grenzen denken..

Abschluss - Fragen, -Denkanstösse:

In Indien sterben Menschen am Strassenrand, niemand unternimmt etwas, das ist nichts Ungewöhnliches. Ist das Ignoranz oder Akzeptanz?

Vielleicht könnten wir mit dem Tabuthema brechen, wenn wir den Tod als ein Übergangsritual mehr ... feierten ... , wie es in anderen Kulturen üblich ist: Tanzen, Lachen, Singen, Essen, was passt zu den Betroffenen? Ist nicht der landläufige "Leichenschmaus" bereits eine Variante davon? Wen brüskiert es, und warum?

Und was denken Sie?

© Therese im Juni 2017

tranquility

"tranquility" © Yves Matiegka 2017

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